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Friedensschokolade und Finanzsatzung: Rückblick auf die Frühjahrskreissynode 2022

Friedensschokolade und Finanzsatzung: Rückblick auf die Frühjahrskreissynode 2022
Veröffentlicht am Mo., 2. Mai. 2022 09:27 Uhr
KK-News

Zwei dicke Bretter hatte die Synode der Evangelischen Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf am vergangenen Samstag zu bohren: Die Schwerpunkte der Frühjahrstagung lauteten "Finanzsatzung" und "Konzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt".

Schokolade bringt Frieden. Eine steile These, die Militärdekan Dirck Ackermann in seiner Predigt zur Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf mit einer Geschichte aus seiner Heimatstadt belegte:

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam der britische Bauoffizier Gwillym Williams ins zerbombte Kiel. Die Luftwaffe seines Landes hatte die einst schmucke Hansestadt zu großen Teilen zerstört. Williams kannte den schrecklichen Anblick: Er stammte aus Coventry, jener Stadt, die deutsche Flieger mit Bomben übersät hatten. Leid gab es überall – und auch Mitleid: In Williams‘ Stadt sammelten britische Kinder 1946 Schokolade für Kinder im zerbombten Kiel. Noch im gleichen Jahr nahmen die beiden Bürgermeister Kontakt zueinander auf. Heute sind beide Städte Mitglieder der Internationalen Nagelkreuzgemeinschaft.

Die aussichtslose Situation im Ukrainekrieg lässt es in Vergessenheit geraten: Versöhnung und Frieden brauchen immer wieder kleine Schritte, die Großes anstoßen können. Symbolisch verteilte Ackermann in der Kirche Am Hohenzollernplatz kleine Marzipanschokoladen. Die Synodalen konnten sie als Nervennahrung gut gebrauchen, denn die Themen der Frühjahrtagung hatten es in sich: Neben dem "Konzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt" stand auch die Diskussion über eine neue Finanzsatzung auf der Tagesordnung.

Work in progress: Zähe Diskussion um die Finanzsatzung 

Seit Monaten ist eine Arbeitsgruppe im Kirchenkreis daran, eine neue Finanzsatzung zu formulieren. Der Grund: Körperschaften – und damit auch Kirchengemeinden und -kreise – unterliegen ab 2023 der Umsatzsteuerpflicht. Erbringen oder nutzen Gemeinden und Einrichtungen Leistungen gegen Entgelt, werden diese künftig bis auf wenige Ausnahmen mit einer Umsatzsteuer belegt. Vor allem zwei gängige Prozesse müssen deshalb künftig anders geregelt werden: die Vergütung von Verwaltungsleistungen, die Kirchliche Verwaltungsämter für Kirchenkreise erbringen. Und die Bezahlung von Personal, das der Kirchenkreis oder eine Gemeinde anderen Gemeinden zur Verfügung stellt. Die neue Finanzsatzung wird auch als Grundlage benötigt, um den Haushaltsplan für 2023 ausarbeiten zu können.

„Die Finanzsatzung ist work in progress“, sagte Präses Dr. Annette Niederfranke zu Beginn der Synode – und das bewahrheitete sich kurze Zeit später. Detailliert diskutierten Synodale aus den Gemeinden im Laufe des Abends die einzelnen Punkte des Entwurfs - ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Es wird eine zusätzliche Synode im Juni brauchen, um die neue Satzung nochmals zu diskutieren und auf den Weg bringen zu können (Termin siehe unten).

Jeder 7. Erwachsene hat in Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erfahren

Weniger zäh ging es mit der Arbeit am Konzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt am Tag darauf voran. Mitarbeitende aus verschiedenen Arbeitsbereichen erarbeiten nach der siebentägigen Fortbildung „Hinschauen – helfen – handeln“ derzeit ein Konzept, das Mitarbeitende in Gemeinden für grenzüberschreitendes Verhalten und die vielen Formen sexualisierter Gewalt sensibilisieren soll.  

Studien belegen, dass dringend gehandelt werden muss: Jeder 7. bis 8. heute Erwachsene in seiner Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erfahren, belegen Studien. Pro Schulklasse sind ein bis zwei Kinder davon betroffen - die Dunkelziffer liegt vermutlich höher. Vor allem geschehen Übergriffe in der eigenen Familie und im nahen Sozialraum – neben der Kindertagesstätte und Schule sind das auch Vereine oder Kirchengemeinden.  

Prävention: Mehr als Workshops und wohlklingende Worte

„Dieses Thema verschwindet nicht einfach wieder“, sagte Manuela Stötzel, Arbeitsstabs-Leiterin des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Der Skandal am Berliner Canisius-Kolleg im Jahr 2010, als drei Missbrauchsfälle aus den 1970er Jahren öffentlich wurden, habe sexualisierte Gewalt  in der Politik und vielen Organisationen auf die Agenda gebracht.

In ihrer täglichen Arbeit sieht Stötzel nicht nur die Entwicklungen, sondern auch, wie vielschichtig Prävention aussehen muss: Bereits bei der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müsse das Thema präsent sein - womöglich schon mit einem klaren Hinweis in den Stellenanzeigen. Eine gute Vernetzung, breite und regelmäßige Fortbildungsangebote und kontinuierliches Engagement für den Kinder- und Jugendschutz seien wichtig. Ähnlich äußerte sich Katharina Timm, Leitende Jugendreferentin im Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf, in ihrem Vortrag über das 2020 von der EKBO verabschiedete Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt - die Grundlage für das Schutzkonzept: „Dieses Papier ist nichts, was man in den Schrank stellt und da sein lässt.“ 

Führungszeugnisse und dunkle Ecken im Gemeindehaus

In thematischen Runden stellten Mitglieder der Arbeitsgruppe den Synodalen die Eckpunkte der bisherigen Arbeit vor: Zum Beispiel Fragen zur Personalverantwortung und Kommunikationspläne, nach denen Mitarbeitende klar handeln können, wenn sich jemand über eine unangenehme Situation in der Gemeinde beschwert. Oder den Fragebogen zur Risikoanalyse, um Räume und Prozesse in Gemeinden einmal genau zu betrachten: Wo gibt es im Gemeindehaus dunkle Ecken? Wer hat Schlüssel für die Jugendetage? Wer stellt neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein – und werden in diesem Prozess auch erweiterte Führungszeugnisse eingesehen? Die Rückfragen und hilfreichen Hinweise der Synodalen aus den Arbeitsgruppen fließen ein, wenn das Konzept formuliert wird. Es soll auf der Herbstsynode vorgestellt werden.

Wenn sie in der Zwischenzeit mehr über die Arbeit am Schutzkonzept erfahren möchten, können Sie hier noch einmal das Interview mit Solveig Enk und Bettina Schwietering-Evers nachlesen.

Was geschieht mit der Kollekte?
Mit den 626 Euro, die auf der Tagung gesammelt wurden, soll ein Sprachkurs für ukrainische Kinder auf dem Evangelischen Campus Daniel finanziert werden.

Nächste Synode
Auf einer Sondersynode am Montag, 20. Juni, 19 Uhr auf dem Evangelischen Campus Daniel wird die Finanzssatzung nochmals diskutiert.

Die nächste reguläre Synode ist die Herbstsynode am 18. und 19. November 2022.

T/F: JK