Veröffentlicht von Juliane Kaelberlah am Sa., 29. Dez. 2018 16:59 Uhr

Neulich, beim Weihnachtsliedersingen in der alten Villa an der Ulmenallee, hat Frank Vöhler wieder einmal das Gefühl gehabt: Hier wächst etwas zusammen. Dutzende Kinder aus der nahegelegenen Unterkunft für Geflüchtete waren zur Weihnachtsfeier in die Ulme 35 gekommen - den Verein, der Anwohner und geflüchtete Menschen im Westend Raum bietet für gemeinsames Kochen, Konzerte, Kunstkurse im Atelier. "Und siehe da: Diese Kinder kannten die "Weihnachtsbäckerei" von Rolf Zukowski besser als wir", berichtete der Pfarrer der Kirchengemeinde Neu-Westend bei seiner Dankesrede im Rathaus Charlottenburg.

Kurz zuvor hatte er von Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und der Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, Annegret Hansen, den Integrationspreis entgegengenommen. Seit sieben Jahren vergibt der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf diese Auszeichnung; in diesem Jahr durften sich erstmals gleich zwei Vertreter aus dem Kirchenkreis darüber freuen: Neben Frank Vöhler als Einzelperson wurde in der Kategorie Vereine und Institutionen das Team der LAIB UND SEELE-Ausgabestelle in der Charlottenburger Trinitatiskirche geehrt.   

Integration, interkultureller und interreligiöser Dialog sind Frank Vöhlers Spezialgebiete: Neben seiner Arbeit als Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Neu-Westend gründete der 56-Jährige nicht nur die Initiative für Geflüchtete „Willkommen im Westend“ mit, sondern ist auch Mitglied des Vorstands der Ulme 35. In der Villa an der Ulmenallee kommen geflüchtete Menschen und Nachbarn zu Konzerten und interkulturellen Abenden zusammen, auch Feste wie das Zuckerfest und Adventsfeiern begeht man über die Religionen hinweg gemeinsam. Sein Preisgeld in Höhe von 500 Euro wird Frank Vöhler hälftig der Ulme 35 und einem Projekt des Interreligiösen Dialogs Charlottenburg-Wilmersdorf spenden. In Aljufainah, einer Kleinstadt im Jemen, die Hunderte geflüchtete Familien aufgenommen hat, soll ein Brunnen gebaut werden.

Auch das Team der LAIB UND SEELE-Ausgabestelle in der Trinitatiskirche gibt sein Preisgeld weiter. Die 1000 Euro werden im laufenden Betrieb gut gebraucht. Rund 200 bis 300 Bedürftige kommen jeden Dienstag in die Kirche und erhalten dort gegen einen symbolischen Beitrag von einem Euro gespendete Lebensmittel, aber auch Kleider und Bücher. „Ich möchte zurückgeben, was ich in meinem Leben nicht vermissen musste“, sagt Elisabeth Stamm, die seit zehn Jahren zu den rund 50 Ehrenamtlichen gehört. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind dankbar. Und selbst wenn ich dienstagabends müde nach Hause komme, bin ich dankbar, dass ich etwas tun kann.“ LAIB UND SEELE ist eine gemeinsame Aktion der Berliner Tafel e.V, der Kirchen und des rbb.

T/F: JK

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