Veröffentlicht am Mo., 3. Jun. 2019 09:52 Uhr

Harald Poelchau war ein überzeugter Gegner der Nationalsozialisten: Hunderten zum Tode Verurteilten stand der evangelische Gefängnispfarrer in der Strafanstalt Plötzensee bis zu ihrer Hinrichtung bei, schmuggelte Nachrichten, betreute ihre verzweifelten Angehörigen. Immer wieder gewährten oder vermittelten er und seine Frau Dorothee Juden und Oppositionellen im Dritten Reich Unterschlupf.

Wie engagierte sich das Ehepaar Poelchau während des Krieges und danach? Nach welchen Prinzipien handelten sie? Wie kann man an die Poelchaus erinnern? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Kinder und Jugendliche aus dem Jugendtreff Café Nightflight und vier Schulen im Charlottenburger Norden seit September 2018. Mit dem Projekt sollten sie auch am Prozess der Gestaltung einer Gedenktafel für Dorothee und Harald Poelchau am Stadtteilzentrum Halemweg beteiligt werden, den die Gedenktafelkommission Charlottenburg-Wilmersdorf angeregt hatte.

Für Donnerstag, 6. Juni 2019, 12:30 Uhr laden die Kinder und Jugendlichen zur Eröffnung ihrer Ausstellung ins Rathaus Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin ein. In der Rathausgalerie präsentieren sie die Ergebnisse des Projekts, zeigen ihre Entwürfe und berichten über Eindrücke. Zur Eröffnung sprechen Annegret Hansen, Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung und Vorsitzende der Gedenktafelkommission, Sabine Sieg, Mitarbeiterin für historisch-politische Bildungsarbeit in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Andrea Siemsen, die Tochter Harald Poelchaus. Die Ausstellung ist bis zum 27. Juni 2019 im Rathaus zu sehen.

Neben den künstlerischen Entwürfen für das Gedenktafel-Relief entstanden mit Unterstützung des Rappers Matondo zwei Rap-Songs, die im Januar bei der Veranstaltung „denk!mal 2019“ im Berliner Abgeordnetenhaus aufgeführt wurden. In den Texten arbeiteten die Jugendlichen heraus, welche Werte das Handeln der Poelchaus prägten und was sich daraus für heute ableiten lässt.

Einige der Jugendlichen waren mit dem Namen "Poelchau" schon vor dem Projekt in Kontakt gekommen: Aus Syrien und dem Irak geflüchtet, wohnten sie zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft am Halemweg, der ehemaligen Poelchau-Schule. Mittlerweile besuchen sie das Café Nightflight und standen im Projekt als Gesprächspartner zur aktuellen Situation von Kriegsdienstverweigerern in Syrien und im Irak zur Verfügung.

Zu den Aufgaben der offenen Kinder- und Jugendeinrichtung Café Nightflight des Evangelischen Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf gehört seit Jahren – auch aufgrund der Lage in der Gedenkregion Charlottenburg-Nord –die historisch-politische Jugendbildung.

T: JK/F: denk!mal 2019

Kategorien Jugend