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Es gibt mehr Spielraum, als wir meinen

Es gibt mehr Spielraum, als wir meinen
Veröffentlicht am Sa., 11. Apr. 2020 08:00 Uhr
Elternberatung

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Ab jetzt bloggt sie hier über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

HIER gibt es diesen Text auch als pdf zum Download.


Es gibt mehr Spielraum, als wir meinen

Inzwischen haben Sie sehr viele Erfahrungen mit der häuslichen Situation gemacht und stellen wahrscheinlich fest, dass es gar nicht so schwer sein muss, sich daran zu gewöhnen.

Auf meiner Radtour am Sonntag sah ich, wie ein großer Parkplatz vor einem Supermarkt von Familien an den verschiedenen Ecken vereinnahmt wurde und als großes Spielfeld, vorzugsweise auf Inlineskatern, genutzt wurde. Boccia, Hockey, Kreidemalereien, große aufgemalte Spielfelder; alles Mögliche unter Einhaltung großer Abstände zwischen den Familien.

Eine Mutter, die gerade mit ihrer Tochter auf dem Fahrrad vorbeikam und kurz stehenblieb, meinte, das wäre ja eine super Idee, da kämen sie doch das nächste Mal auch mit ihren Spielen her; vor allem bei dem schönen Wetter. Auch der Gebrauch von Straßenkreide scheint wieder beliebter zu werden. Den nötigen Abstand halten und trotzdem andere Menschen in ähnlicher Situation erleben; das tut gut!

Warum hat das eigentlich sonst niemand gemacht? Das Wahrnehmen von öffentlichen ungenutzten Räumen (z.B. dort, wo am Sonntag keine Autos stehen) als erweiterte Familienwohnung, ohne Fremden zu nahe kommen zu müssen, wenn man nicht will, ist generell eine gute Idee. Mit den Kindern gemeinsam rausgehen, auf Achse sein, Plätze suchen, Spiele übertragen und großflächig spielen. Ein besseres Mittel gegen häuslichen medialen Overkill gibt es gar nicht!

Ich selbst liebe „Fotostrecken“, also meine Wahrnehmung auf bestimmte Dinge zu fokussieren, z.B. Blüten, Feuerkäfer, Bienen an Blüten, Hummeln oder Bäume mit allen Strukturen, umgekippte im Wald, Moos, Flechten, Pilze und vieles mehr. Jede*r hat einen anderen Blick, sieht andere Dinge. Man kann Daumen und Zeigefinger zu einem Viereck zusammenführen und ausprobieren, welcher Bildausschnitt für ein Foto geeignet ist. Zoomen oder dichter rangehen? Die meisten haben bestimmt noch eine alte kleine Digitalkamera herumliegen, die ergänzend zum Smartphone genutzt werden kann.

Und schon haben wir ein Projekt, das ausbaufähig ist und vor allem einen hohen Bildungsgrad besitzt. Wenn es gelingt, Begeisterung zu empfinden und zu verbreiten, kann so ein einfacher Impuls ausufern und weiterwachsen.

Ich poste immer meine schönsten Fotos im WhatsApp-Status und freue mich darüber, wenn Leute meine Bilder anschauen, was mich wieder motiviert, noch bessere Fotos zu machen, meinen Blick noch mehr zu schärfen.

Was bitteschön ist denn bildungsträchtiger als mit Begeisterung die Wahrnehmung zu schärfen? Plopp, ist die innere Linse offen, die Welt drumherum, egal in welchem Zustand, immer ein interessantes Studienobjekt!

Und Sie, liebe Eltern, Großeltern, Tanten und Onkels, haben in jeder Altersstufe die Gelegenheit, sich selbst wieder weiter aufzumachen und ein bildungsförderndes Vorbild zu sein – ohne den üblichen Bewertungszwang des Schulbetriebs!

Mit Lernen wird Schule verbunden, und mit Schule Zensuren, Bewertungen, Ängste, Ungerechtigkeit und Zwang. Der „Lehrkörper“ besteht aus Lehrer*innen, die danach beurteilt werden, ob sie „streng“ sind oder nicht, wie sie benoten. Was für ein ….“Upps“… !

Jetzt haben Sie die Möglichkeit, Ihre Kinder dabei zu unterstützen, wieder das zu sein, was sie sind: ein „Lernkörper“, lernender Körper, der aufnehmen, verarbeiten und einen Output hinlegen kann, auf den sie stolz sind, ganz unabhängig von der Bewertung Erwachsener! Ein anerkennendes Schulterklopfen „unter lernenden Brüdern und Schwestern“!

Hugh, das war jetzt aber ein gedanklicher Sonnenbogen!


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