Veröffentlicht am Di., 14. Apr. 2020 08:00 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Ab jetzt bloggt sie hier über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Wenn Ihr Kind schreit und nörgelt ... bleiben Sie sicher!

Kleine Kinder im vorsprachlichen Alter haben nur eine Möglichkeit für ihre Bedürfnisse und Rechte einzutreten, nämlich zu nörgeln, meckern, heulen, schreien und ihre Kooperation zu verweigern. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Kind einen Grund hat, auch wenn es körperlich gesund ist.

Ein fortwährend weinendes Kind, das nachts vielleicht ständig aufwacht, setzt das klare Signal, dass es genug kooperiert hat, und jetzt bitteschön von den Eltern die Denksportaufgabe erwartet, herauszubekommen, worum es geht. Und wenn Sie als Eltern es alleine nicht schaffen, müssen sie sich Beratung holen, um vielleicht Wissenslücken über kindliche Entwicklung zu schließen. - So denken Kinder noch nicht, aber sie fühlen so. Und wenn die Eltern es nicht tun, sind sie zu Recht sauer und brüllen sie an! Kinder dürfen das in dem Alter noch. Erwachsene, die der Sprache und Empathie fähig sind, eigentlich nicht. Sie sind für ihre persönliche Hilflosigkeit selbst zuständig.

Im Moment müssen alle über ihre bisherige Kooperationsfähigkeit hinauswachsen.

Ein Kind reagiert meistens sensibel auf seine Umwelt. Wenn es „Stress“ in der Luft bzw. in der Mama, dem Papa oder in der Beziehung zwischen ihnen spürt, gerät es in einen unsicheren Zustand. Es ist abhängig davon, dass es der Bindungsperson gut geht; das ist genetisches Programm. Werden Eltern unsicher in ihrem Verhalten, wird es das Kind erst recht.

Egal, welche Ursachen eine Rolle spielen könnten, ob vielleicht ein Geburtstrauma, frühe Trennung, Krankheit, oder eben die „dicke Luft“: Das Kind braucht in jedem Falle SICHERHEIT - ein Gefühl von sicherer Bindung und Co-Regulation durch die Erwachsenen, weil es seine Gefühle noch nicht selbst regulieren kann.

Man muss nicht beim ersten Schrei losspringen und dramatisieren, sondern nach einem Moment, wenn man feststellt, dass es sich nicht von alleine beruhigt, tröstend die Hand auf den Bauch oder das Köpfchen legen. Wenn es dann auch nicht besser wird, auf den Arm nehmen und halten; vor allem selber ruhig bleiben.

Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines so kleinen Kindes. Vielleicht können das am ehesten ganz alte Menschen, weil sie auch wieder so abhängig von anderen sind, und manchmal die Welt nicht mehr - statt noch nicht - verstehen.

Kinder brauchen Halt, Nähe, Trost. Tipps wie ein Kind „schreien zu lassen“ stammen aus Zeiten der Schwarzen Pädagogik und sind ein NO GO. Aber da sein, beruhigend berühren, und erst einmal die Situation aushalten, ohne selber verzweifelt überzureagieren, das ist ein Weg.

In der Trotzphase ist es genauso. Es muss kein Machtkampf per definitionem sein, wenn Sie als Eltern wissen, dass diese Phase dazu dient, dass Ihr Kind Schritt für Schritt lernt, seine Gefühle selbst zu regulieren und Grenzen durch die Umwelt zu akzeptieren: Zähneputzen, am Straßenrand stehenbleiben, nicht hauen und Beißen, wenn man etwas haben will, etc.

Als Fazit lässt sich noch anfügen, dass Sie sich selbst etwas Gutes tun, wenn Sie Ihrem Kind Sicherheit geben. Sie brauchen die Sicherheit selbst. Holen Sie sie sich, wo immer Sie sie bekommen können. Nehmen Sie den Ruf Ihres Kindes als Aufruf, für sich selbst gut zu sorgen!

Spenden Sie sich in der Familie, mit oder ohne Partnerschaft, gegenseitig Sicherheit in diesen unsicheren Zeiten!  


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