Veröffentlicht am Mi., 15. Apr. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Ab jetzt bloggt sie hier über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Bauch-Beine-Po oder Kopf-Seele-Herz? Fitnesstraining für die Beziehung

Anfang der Woche hörte ich wieder einmal „Wir gegen Corona“ den täglichen Podcast von Suse und Hajo Schumacher (Letzterer ist Kolumnist bei der Berliner Morgenpost), mittlerweile Folge 31. Vielleicht kennen ihn ja viele aus Talkshows oder dem Kommentatorentalk auf radio 1. Der Podcast ist unter podcasts.google.com oder auf Spotify zu finden.

Er, Journalist, und sie, Psychologin, versuchen in täglichen Zwiegesprächen aus ihrer Familiensituation heraus der aktuellen Situation das Positive abzugewinnen und eloquent ins Rennen um die gute Laune in diesen Zeiten zu bringen.

Die beiden babbeln da fröhlich vor sich hin, nacheinander, durcheinander, über Banales oder Philosophisches und das, was ihnen wichtig erscheint.

Was mir daran gefällt: Es scheint sich um eine gut funktionierende Beziehung zu handeln, was ich immer gerne vorbildhaft zur Kenntnis nehme. Wie schaffen die beiden, dass das so rüberkommt – ob ich die Inhalte ihrer Gespräche nun immer so prickelnd finde oder nicht?

Sie respektieren sich. Das merke ich daran, dass sie sich gegenseitig nicht bewerten bzw. das, was der andere gerade gesagt hat. Im Gegenteil: Sie haben eine Absprache darüber, wie sie abwechselnd die Rollen innerhalb ihrer Struktur wechseln, aber das läuft locker und fröhlich kommentiert ab.

Sie haben sich für diese Corona-Zeit ein gemeinsames Projekt geschaffen, das einerseits der Selbstreflexion und der beruflichen Selbstverwirklichung dient und andererseits etwas ganz Neues innerhalb der Beziehung ist. Dadurch wirkt es manchmal richtig niedlich, wenn Leute nach 30 Jahren Ehe kleine Details und Gedanken zusammentragen und sich beim Hörer dieser unglaubliche Schatz an Geschichten und Menschlichkeit auftut, die für einen anscheinend sehr lebendigen Alltag sorgen. Ist sicher auch nicht immer so witzig bei denen; aber die Richtung stimmt.

Jetzt wollen wir uns nicht mit so an Geist, Bildung und Popularität reichen Menschen messen; aber ein paar Dinge lassen sich super abkupfern:

  • Zu einer halbwegs festen Zeit ohne kindliche Störung zusammensetzen und über das miteinander reden, was einen beschäftigt und umtreibt: über Gefühle, Sorgen, kleine Begebenheiten, neue Ideen, usw., gerade in dieser unwägbaren Corona-Zeit. Einfach alles aussprechen.
  • Eine Gesprächskultur verabreden. Wer fängt an, wer achtet auf die Zeit, die (halbwegs) Gleichverteilung der Redeanteile, wie lange überhaupt? Bei täglichen Gesprächen reichen 15 bis 30 Minuten, bei wöchentlichen Zwiegesprächen wären 45 bis maximal 90 Minuten in so einer Struktur angemessen. Im Moment würde ich für (fast) täglich plädieren.
  • Es wird nicht diskutiert, sondern man hört sich zu, bewertet nicht, aber kann seine Sicht auf einen bestimmten Punkt dazugeben. Es geht darum, den gemeinsamen verbalen Gabentisch mit den persönlichen Offenbarungen der Gedanken zu bereichern.
  • All das ist nicht als Paartherapie, sondern als Psychohygiene zu verstehen, um die Festplatte da oben täglich ein bisschen freizuputzen. Wir werden noch viel Arbeitsspeicher im Hirn brauchen, bis es einen Impfstoff gegen Corona gibt!
  • Sie schaffen einen Raum, in dem Sie Ihre Wahrnehmungen von Kind/Kindern austauschen können – wie gesagt: ohne Bewertung!

Das ist überhaupt das absolute Zaubermittel: Eigene Wahrnehmungen mitzuteilen und weder sich noch den anderen zu bewerten; sondern üben, etwas stehenzulassen.

Das soziale Fasten hört ja leider mit Ostern nicht auf. Deshalb ist es so wichtig, die Kommunikation als nährende Zuwendung möglichst gesund zu halten. Probieren Sie es aus, Ihre unterschiedlichen Temperamente in eine Balance zu bringen und die kommunikative Fitness genauso zu trainieren wie Bauch-Beine Po!


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