Veröffentlicht am Do., 16. Apr. 2020 08:00 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Ab jetzt bloggt sie hier über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Weshalb es gut tut, an die Grenzen zu gehen

Heute sagte eine Bekannte am Telefon, sie mache jetzt täglich 20 Minuten „Workout“ zu Hause im Homeoffice. Aha, dachte ich; das müsste ich auch machen, bin aber trotz aller Eitelkeit zu faul und erfreue mich lieber am Zubereiten vieler leckerer Mahlzeiten mit anschließender Verspeisung. Aber das ist ein anderes Thema.

Mir kam der Gedanke, mal ins Wörterbuch zu schauen, was ‚Workout‘ oder ‚to work out‘ übersetzt eigentlich heißt. Es gibt unglaublich viele Bedeutungen! Ich sage mal mit meinen Worten, was ich darunter verstehe, nämlich eine Sache, den eigenen Körper, ein Thema oder eine Aufgabe bis an die Grenze durchzuarbeiten, bis man selber oder die ‚Arbeit‘ fix und fertig ist.

Natürlich ist körperliches ‚Auspowern‘ unter den beschränkenden Bedingungen ganz wunderbar. Zumeist reicht eine Yogamatte mit ein bisschen Platz drumherum. Ich habe auch noch nie so viele Mütter und Väter mit ihren Kindern joggen und radfahren sehen, damit alle ausreichend Auslauf haben.

Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, die Grenzen auszuloten, etwas zu Ende zu bringen, sich bis zur Erschöpfung in etwas hineinzusteigern, um hinterher ein Gefühl von Zufriedenheit davonzutragen.

Es darf auch unvernünftig sein – wenn es mal und mit Bewusstsein geschieht!
Wenn z. B. die geplante Reise an ein warmes Meer ausgefallen ist, darf das Badezimmer schon mal umfantasiert, die Pflanze aus dem Wohnzimmer angeschleppt und als Palme betrachtet werden, und natürlich muss die Badewanne, Duschtasse oder das Waschbecken auch überlaufen dürfen! Mit leeren Wasserflaschen wird ein Katamaran gebaut, und schließlich werden die Fingerkuppen genauso wellig wie im echten Meer. Das ist auch eine Art Workout – why not? Es geht um die Highlights, das Gefühl, an eine Grenze, und sogar ein bisschen drübergegangen zu sein.
Das macht man nicht täglich, aber jedes Mitglied der Lebensgemeinschaft sollte es mal sozialverträglich dürfen. Der Wohnraum wird zum Lebensraum, zu einem neuen Kosmos, der viel mehr hergibt, als man denkt. Es muss nicht nur die virtuelle Welt sein, die einen ins abenteuerliche Fantasyland bringt!

Es ist nämlich so, dass wir nicht im Krieg sind; diese Metapher passt nicht. Wir werden uns nur an das Virus gewöhnen müssen. Wir haben im Allgemeinen ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, ein immer noch gut funktionierendes Gesundheitssystem, Wasser, Strom und Internet, und bei allen möglichen Verlusten an Einkommen und Freiheit die Gelegenheit, alte Gewohnheiten aus dem Hamsterrad durch lustvolles ‚Workout‘ aufzufrischen.

Tagesstruktur als Fundament, Selbstdisziplin als Trainingsplan – und Ausnahmen als das Salz an der Suppe ergeben eine gesunde Ernährung. Aber, liebe Eltern, bitte immer als verlässliche und freundliche Führungskraft das Heft in der Hand behalten und Käptn bleiben, um das Schiff sicher durch die unbekannten Gewässer ans Ufer einer veränderten Normalität zu schippern!


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Kategorien Elternberatung