Veröffentlicht am Di., 21. Apr. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Ab jetzt bloggt sie hier über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Heute auf dem Stundenplan: Heimat-Kunde

In dieser Corona-Zeit ist das Gehen und Laufen auf fast leeren Straßen zu einer neuen Sensation geworden. Gestern habe ich wieder einen Spaziergang durch das schöne Licht der untergehenden Sonne in den Abend gemacht. Die meisten Geschäfte sind immer noch geschlossen, Restaurants bieten bestenfalls Essen to-Go an.

Während meines Spaziergangs habe ich die interessante Feststellung gemacht, dass mich die ganzen Auslagen in den Schaufenstern, die Konsumartikel, Schuhe, Klamotten – all das Zeug, das man in der einen oder anderen Form schon hat, und immer wieder neu kaufen soll, bis man nicht mehr weiß, wohin damit – überhaupt nicht mehr interessieren. Dafür gehen wir arbeiten, erleben Stress, um am Ende eine Menge von dem verdienten Geld für immer wieder dieselben Dinge in unterschiedlicher Ausführung je nach Mode auszugeben? Völlig absurd eigentlich!

Der Schaufensterbummel hat sich ausgebummelt, weil wir sowieso nichts kaufen können. Ich verspüre Erleichterung, weil eine Fixierung auf das Kaufen einfach gelöscht ist.

Stattdessen bin ich in die Seitenstraßen eingebogen und habe dort mehr denn je wahrgenommen. So viel bin ich auch noch nie spazieren gegangen! Also schaue ich mal auf die Straßennamen und deren Bedeutung (im Internet gibt es auch eine Liste). Die Baumblüte, die Pflanzen in Vorgärten, besonders schöne Häuser – ja wo lebe ich eigentlich? Wie weit reicht mein Kiez, wo war ich noch nie, welche kleinen Läden kenne ich gar nicht, weil ich blind und in Hektik daran vorbeilaufe oder nur auf die Hauptstraße zustrebe? Welche Einzelhändler möchte ich nach der Öffnung unterstützen? Machen Sie sich unterwegs Notizen und gehen Sie wieder vorbei.

Je nach Alter Ihrer Kinder kann das eine schöne Gemeinschaftsaktion sein. Dafür ist vielleicht auch das Smartphone ein gutes Werkzeug, um vor Ort Informationen zu bekommen.

Oder man erzählt sich Geschichten über Begebenheiten, die hier oder da stattgefunden haben. Egal, was Sie veranstalten, erobern Sie Ihr Viertel, blicken Sie mal in die Geschichte oder stellen Sie sich vor, wer hinter den Gardinen wohnt.

Und natürlich macht es Spaß, Fotos zu machen. Die schönsten stelle ich immer in den Status von WhatsApp und lasse meine Leute an den Augen-Blicken auf meinen Rundgängen teilhaben.  

Wenn dann die Läden wieder öffnen, haben wir nach der Abstinenzphase hoffentlich ein gesünderes und gemäßigteres Verhältnis zum Konsumieren, nicht nur, weil bei manchen der Geldbeutel dünner ist, sondern weil auf die Straße zu gehen nicht gleichbedeutend damit ist, ständig einkaufen zu müssen.


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Kategorien Elternberatung