Veröffentlicht am Mi., 22. Apr. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

HIER gibt es diesen Text als pdf zum Download.


Besuche bei Tom Buche: So wird die Natur zum Familienmitglied

Als ich heute Morgen aufstand und in den stahlblauen Himmel blickte, versuchte ich mir vorzustellen, was es für die Natur bedeutet, falls es in den nächsten Wochen bei uns tatsächlich nicht regnen sollte. Auch ein Corona-Virus kann den Klimawandel nicht aufhalten, selbst wenn die Natur durch das Herunterfahren der Wirtschaft kurzfristig Erleichterung erfährt und ohnehin zu niedrig gesteckte Klimaziele in eine greifbarere Nähe rücken.

Erst wenn es fühlbar und direkt um Leib und Leben zu gehen droht, sind ungeheure Reaktionsfähigkeiten möglich, Kapital ist vorhanden und die Menschen sind bereit, große materielle Opfer zu bringen. Die einen mehr, die anderen weniger.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mein Blick auf das Unmittelbare wird schärfer. Weniger geht tiefer, Vorhandenes wird wertvoller. Beziehungen stehen auf dem Prüfstand, Eigenschaften treten deutlicher hervor oder bringen ganz andere neue Eigenschaften hervor, wie Ableger einer Zimmerpflanze.

Wasser marsch!

Eines der großen Privilegien in unserem Land ist es bisher, Wasser zur Verfügung zu haben. Vielleicht ist es eine gute Gelegenheit, das zum Thema in der Familie zu machen, um diese Facette menschlicher Existenz im Zusammenhang mit dem Klimawandel näher kennenzulernen.

Gleichzeitig kann es ein sehr schönes gemeinsames Projekt sein, auf dem Fensterbrett, dem Balkon, dem Hof oder im Vorgarten für die Vögel in dieser trockenen Zeit kleine Tränken aufzustellen. Meist muss man nicht lange warten bis die ersten Spatzen, Meisen und sogar Rotkehlchen – je nach Standort – kommen und sich erfrischen. Manchmal sogar in die Hand (bitte klicken).

Lebensmittel für den Baum und Mathe im Wassereimer

Der erweiterte Blick zeigt, dass Sträucher und Bäume staubtrockene Erde um sich haben. Am besten, wir fangen gleich an zu gießen, falls ein Schlauch im Hof befestigt ist und kein Hausmeister den Job übernimmt, noch bevor die Pflanzen Schaden nehmen.

Wie viel Wasser sind Sie bereit zu spenden? Wie viele Liter? Wie viel Zeit können Sie stressfrei investieren? Wie viele Liter passen in den Kücheneimer? Wie schwer ist das Wasser und welche Pflanzen sollen es wie oft bekommen?

Sollten Sie Kinder Kita-Alter haben, würde man das mathematische Früherziehung nennen. Ich mag es aber lieber ganzheitlich gedacht. Unsere Mitbewohner im Umfeld, die Pflanzen und Bäume vor dem Haus, möchten bitteschön auch ihre Lebensmittel bekommen. Eine gute Gelegenheit, mit ihnen nähere Bekanntschaft zu machen und vielleicht Freundschaft zu schließen.

Diese Geschichten werden bleiben

Ich persönlich habe die kleine, noch kindliche Macke, dass ich jedem und allem, das mir in meiner Wohnung besonders am Herzen liegt, einen Namen gebe.

Warum nicht einem Baum, dem man regelmäßig ein paar Liter zu trinken gibt, einen Vornamen zur eigentlichen Bezeichnung geben, sowas wie „Gestatten Sie, Herr Tom Buche, dass ich über Ihre Wurzeln etwas Wasser gieße?“ oder „Wie ist das werte Befinden, Fräulein Laila Linde?“ Man kann aus wirklich allem Geschichten machen und Kindern auf diesem Wege wichtige Themen völlig unverschult nahebringen.

Ein Kinderbuch über die Umwelt kann leicht vergessen werden, aber gemeinsam regelmäßig Wasser zum Baum getragen zu haben, vergisst sich nicht so schnell und legt durch das Handeln Denkstrukturen an, die bleiben. Bäume sind mit ihren Jahresringen gute Vorbilder. Wir müssen ihnen natürliche Nahrung geben, damit sie wachsen und gesund bleiben – wie die Kinder.


Sie haben eine Frage oder möchten sich beraten lassen? Schreiben Sie mir eine Mail an rohrbach@cw-evangelisch.de. Ich melde mich unmittelbar zurück und wir vereinbaren einen Termin für ein Telefonat oder einen Skype-Videocall. Das Angebot ist kostenfrei.

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich freue mich über jede Rückmeldung! Wer ein Wunschthema, positive Resonanz oder kritische Anmerkungen hat, darf sie mir gerne schicken.

Kategorien Elternberatung