Veröffentlicht am Sa., 25. Apr. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Über Regel-Lockerungen und Kitabesuche  

Es sollen wieder mehr Kinder in die Betreuung dürfen als bisher. Verlockende Lockerungen! Diejenigen, die im Homeoffice sein müssen, haben nämlich keine Chance, sich zu klonen und Mutter oder Vater und berufstätig gleichzeitig zu sein. Das ging eine Zeit lang mehr oder weniger gut, und in den Kitas waren nur wenige Kinder in der Notbetreuung. Jetzt aber müssen Auswege für viele Familien her. Wer es ermöglichen kann, lässt seine Kinder vielleicht trotzdem lieber zu Hause, als sie erhöhten Ansteckungsrisiken in der Kita auszusetzen.

Es soll eigentlich keine Erweiterung der Notbetreuung geben, sondern eine Lösung deutlich vor dem 1. August. Im Senat wird gegrübelt. Das Robert-Koch-Institut wird beobachten und mitteilen, wie sich die Lockerungen auf die Infektionszahlen auswirken. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Wir brauchen also weiterhin Geduld. Das Virus wird nicht „ausgetrocknet“, sondern uns noch eine Weile beschäftigen. Aber durch den trockenen April kommt das andere, das Klimathema wieder auf den Plan. Für die „große“ Politik war die Pandemie geradezu eine Atempause für andere Themen. – Was also nun?

Ein neues Bild vom Wohlstand

Es wäre wunderbar, wenn große Unternehmen keine Profite aus dieser Pandemie ziehen dürften, sondern alle, die jetzt den größten Schaden haben, einen Ausgleich von denen bekämen, die jetzt Gewinne machen. Vielleicht wird es nötig, ein neues Bild von „Wohlstand“ zu bekommen. Vielleicht werden die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern, Freunden und zur Nachbarschaft auch längerfristig wieder bedeutsamer. Es gibt so viele Wege, die mehr mit Solidarität und gegenseitiger Unterstützung als mit Konkurrenz und persönlichem Gewinn zu tun haben.

Die Kinder unserer Zeit lernen eine neue Perspektive auf die Welt kennen, die wir Älteren so nicht hatten. Im Moment zeigt sich auch der Unterschied zwischen denen, die privilegierte Wohnverhältnisse, finanzielle Rücklagen und Bildung haben, um zu Hause auch mit ihren Kindern für eine Weile klarkommen zu können.

Mancher Single wünscht sich Gesellschaft, viele Eltern einfach Ruhe

Wer jetzt in beengten Verhältnissen einer Wohnung lebt, alleinerziehend ist, vielleicht in einem Trennungsprozess steckt  oder selbst körperliche oder psychische Probleme hat, hat echte Belastungen zu ertragen. Da zeigen sich die Unterschiede in der Lebensrealität. Wer seine Kinder in einen Garten schicken und abends eine Kuschelkette bilden kann, hat ganz andere Möglichkeiten, die Situation zu überstehen. Und mancher Single würde sich kleine oder große Menschen in den eigenen vier Wänden wünschen, um mal aus dem eigenen Kopf rauszukommen und miteinander reden, lachen, weinen, kuscheln oder spielen zu können.

Wenn es jetzt draußen wieder anläuft, ist es wichtig, zu überprüfen, ob z.B. die Schulkinder die Umgangsregeln verinnerlicht haben, um mit Hilfe von Maske und Abstandhalten nichts in die Familie zu tragen, und ob die Kleinen in die Kita gehen sollten, wenn die Möglichkeit wieder besteht. Vielleicht gelingt es Ihnen ja, das Beste aus dieser Zeit zu bewahren und nicht gleich wieder im Feuereifer ins Hamsterrad des Arbeitsstresses zu springen, wenn es zur Existenzsicherung nicht unbedingt nötig ist.


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