Veröffentlicht am Mi., 29. Apr. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Wie viel Vorsicht muss bleiben?

Wenn Sie zu denen gehören, die Ihr Kind demnächst in die erweiterte Notbetreuung oder in die Schule schicken, dann stellt sich die Frage, wie die Vorsicht der vergangenen Wochen irgendwie weiter erhalten werden kann. Schließlich werden auch die Spielplätze wieder öffnen: Die Kinder werden miteinander spielen, die Spielgeräte können nicht nach jeder Berührung desinfiziert werden, und überhaupt dürfen wir wieder lockerer denken.

Die Gruppen, mit denen Sie in Berührung kommen sind überschaubar: Familie, Kita, Schulklasse. Wenn sich die Schulkinder halbwegs an die Abstandsregeln halten, lassen sich Infektionen vermeiden, sollte jemand Überträger sein.

Wann wir lieber so tun sollten, als gäbe es die Lockerungen noch nicht

Was ich viel unübersichtlicher finde, ist der Konsumbereich. Ich glaube, dass das Anfassen von Waren und sich-doch-näher-in-die-Quere-Kommen in den geöffneten Geschäften und auf Märkten eine Normalität suggeriert, die offiziell noch nicht vorhanden sein sollte. Sicher ist es für die Geschäfte wichtig, dass wir wieder konsumieren, Geld ausgeben und uns der dinglichen Welt draußen nähern. Wem aber Kontakte mit Eltern und Großeltern bei gleichzeitiger Öffnung nach außen wichtig sind, der sollte so weit wie möglich tun, als gäbe es noch keine Lockerungen.

Die Frage ist: Nähe oder Konsum? Jetzt, da wir nach der sehr vorsichtigen Zeit in (mehr oder weniger) Quarantäne davon ausgehen können, dass wir „clean“ sind, hat es vielleicht eine größere Bedeutung, die innerfamiliäre Nähe zu erweitern, als wieder durch Geschäfte zu stromern und alles anzufassen. Vielleicht ist es wichtig, dass es in den Familien mit Jugendlichen ein Thema ist, welche Ziele und Lockerungen Sie in der nahen Zukunft in Ihrem Rahmen verfolgen möchten.
Let’s talk about shopping!

Ich stelle es mir nicht leicht vor, mit allen gemeinsam in der Familie und im Freundeskreis einen Weg auszukundschaften, der wieder ein Stück Normalität in den Beziehungen zulässt, aber die Vorsicht mit Rücksicht nicht außer Acht lässt.
Sicher ist jede*r auf eine unterschiedliche Art mehr oder weniger ängstlich. Deshalb ist es gut, das zum Gesprächsthema zu machen und ganz partizipativ miteinander abzustimmen. Es gibt immer ein sogenanntes natürliches Lebensrisiko, aber man braucht es nicht herauszufordern.

Wir wissen nicht, wir müssen glauben und vertrauen, dass die Maßnahmen sinnvoll bleiben. Ärgerlich ist es, dass Urlaube storniert werden müssen, dass Ereignisse ausfallen, auf die man sich normalerweise mit Vorfreude zubewegt.

Ab in die Maske: Zum Schauspieler werden

Was ich spannend finde, ist die Art von Körperbeherrschung, die ich lerne. Ein neues Bewusstsein über meine Bewegungen, eine Achtsamkeit, was ich mit meinen Händen mache und wo ich hingreife. Die Automatismen sind alle heruntergefahren. Das ist eine gute Chance, so etwas wie eine neue Eleganz in den eigenen Bewegungen zu entwickeln: In meinem Augenausdruck, wenn ich eine Atemmaske trage, der Sprache, dem Tonfall, um meine Freundlichkeit auszudrücken und Mimik und Gestik nicht dahinter verschwinden zu lassen. Wir werden alle ein bisschen wie Schauspieler, die etwas übertreiben müssen, damit die Leute in den hinteren Reihen auch etwas vom Gefühl wahrnehmen können.

Ja, ich versuche alle positiven Aspekte auszuknautschen und weiterzugeben.


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