Veröffentlicht am Do., 30. Apr. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Der nächste Blogartikel erscheint am Samstag, 2. Mai. Am 1. Mai ist zwar Tag der Arbeit - aber schließlich auch Feiertag!

Im Masken-Theater

Ich ziehe mir abends fleißig alle Infos, Sendungen und Talkshows rein, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Deutlich zu bemerken ist, dass der anfangs noch aus der Schockstarre vor dem Virus hervorgegangene freundliche Ton in den Talkshows mittlerweile wieder in das alte Debatten-Gehabe mit erhitztem Durcheinandergerede übergegangen ist. Hat fast etwas Beruhigendes, wenn hier die Masken wieder fallen.

Bei allem, was ich von diesem Virus bisher verstanden habe, weiß ich, dass ich es nicht haben will. Mein mühsam erarbeitetes Leben könnte im letzten Drittel durch die Gefahr von Folgeschäden dramatisch beeinträchtigt und vielleicht verkürzt werden. Wie sagte vermutlich Schopenhauer: „Gesundheit ist nicht alles, aber alles ist ohne Gesundheit nichts.“

„Ich mache, was ich will“ funktioniert gerade nicht

Maske, Abstand, Händewaschen: Wenn das wirklich ernstgenommen wird, dürften die Erwachsenen und Heranwachsenden eine gute Chance haben, sich und andere zu schützen. Sie sind Vorbilder für die Kleinen, die völlig neue Verhaltensweisen für ihre Zukunft dazulernen müssen, wahrscheinlich als notwendigen Bestandteil ihres ganzen Lebens.

Eines ist im Moment wirklich verrückt: Dieses „Ich mache, was ich will; und ich habe ein Recht darauf!“ funktioniert nicht mehr. Viele Eltern hatten verlernt – oder vielleicht nie richtig gelernt – ihren Kindern durch Stärke und Klarheit im Wertesystem gesunde Orientierung zu bieten und freundlich Grenzen zu setzen. Das ist jetzt gerade alles anders, weil uns allen viel stärkere Grenzen von außen aufgezwungen wurden, um ein weltweites Massensterben vor allem der Alten und Vorerkrankten zu verhindern. Ich bin so froh, dass im Moment von Seiten der Politik Leben mehr wert ist als Profit in der Wirtschaft.

Hygieneregeln sind jetzt Lernstoff

Meiner Ansicht nach ist das Allerwichtigste, dass die Kinder trotz allem so bald wie möglich ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen und ihre Freunde treffen können. Die etwas älteren Schulkinder können die Maßnahmen schon lernen und einhalten, und die Schulen werden Hygiene auf Platz 1 im Curriculum setzen müssen.

Für die Kleinen bleibt den Eltern nur, übersichtliche und nachvollziehbare Gruppen mit anderen Familien zu bilden und sich die Betreuung der Kinder im Privaten aufzuteilen, wenn keine Notbetreuung möglich ist (laut Senat ist das seit dem 21. April ausdrücklich erlaubt!). Dann können stundenweise Auszeiten das Aufatmen für alle ermöglichen.

Als mein Sohn mit gut 2,5 Jahren gerade in der Kita eingewöhnt war, brach damals ein zehnwöchiger Kitastreik aus. Eine Katastrophe! Am Anfang haben wir untereinander die Betreuung zu Hause organisiert, bis es auch eine Notbetreuung für die Berufstätigen gab. Das war eine ungeheure Belastung, aber es ging irgendwie! Die damals entstandenen Beziehungen der Eltern und Kinder untereinander waren dadurch von großer Haltbarkeit.

Entlasten Sie sich, wo es nur geht

Kalkulierte Kontakte mit bis zu fünf Kindern im häuslichen Bereich sind jetzt offiziell gestattet. Nutzen Sie also alle Möglichkeiten zur Entlastung, ohne die Risiken allzu sehr zu vergrößern. Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, sollten wir die Pandemie als große Gefahr akzeptieren und uns an die Regeln halten, um nicht in Panik verfallen zu müssen, aber auch nicht in der Vorsicht nachzulassen.

Und jetzt noch etwas ganz Praktisches: Masken bauen und basteln

Dank der Reduzierung von Plastiktüten gibt es jetzt wohl in jedem Haushalt Papiertüten unterschiedlicher Größe, aus denen man spielend leicht große Masken herstellen und bemalen und bekleben kann: Gefühlsmasken, Tiermasken, Fantasy-Masken, o.a.

Falls Sie Folien im DIN A4-Format haben, können Sie Masken herstellen, die sogar einem realen Schutz dienen können. Sie nehmen eine Cap mit Schirm nach hinten und befestigen an der Rückseite mit doppelseitigem Klebeband die Folie daran. Als Brillenträger muss man sich etwas ausdenken, Schaugummi o.ä. an die Cap kleben, und dadurch Abstand zwischen Gesicht und Folie schaffen. Wer dann noch einen Mundschutz trägt, ist geradezu perfekt abgeschirmt. Kinder können die Folie auch noch mit Filzstiften bemalen oder verzieren.

Noch einfacher ist es, einen Schnellhefter mit glatter fester Folie zu nehmen und die Rückseite auf Höhe des Folienrandes unterhalb des Papierrandes (ca. 3 cm) abzuschneiden. Einen gleich breiten Streifen von der farbigen Seite abschneiden und an beiden Seiten antackern. Aufsetzen, fertig! Hier gibt dazu auch eine Videoanleitung zum Herunterladen.

Ganz scharf ist, wenn diese Maske auch mit kreativer Kleidung abgestimmt wird. Fasching - bis der Impfstoff oder ein Medikament kommt! Bleiben Sie humorvoll und gesund!


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Kategorien Elternberatung