Veröffentlicht am Mo., 11. Mai. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Immer allein muss gar nicht sein

Bei allem Stress, den häuslicher Schulunterricht, Kleinkindbetreuung und Online-Arbeit von zu Hause aus bedeuten – es gibt auch Menschen, die sich ein bisschen davon wünschen würden: die alleinlebenden, vor allem älteren Menschen.

Nachbarschaft ist ein Stichwort. Am 29. Mai ist der „Tag des Nachbarn“. Über das Portal www.nebenan.de (www.tagdernachbarn.de) wird verbreitet, was man alles machen kann, um einsamen Nachbarn eine Freude zu bereiten. Einige Vorschläge sind z.B. einen Jutebeutel mit leckeren Sachen drin oder Blumen an die Tür zu hängen, überraschende Postkarten in den Briefkasten zu stecken, Hinterhof-Konzerte zu veranstalten oder Balkon-Bingo zu spielen. Na gut; man kann auch einfach klingeln, und seine Nachbarn fragen, ob sie was brauchen, ein bisschen „zwischen Tür und Angel“ oder im Hof quatschen wollen oder sich über ein Stück selbstgebackenen Kuchen freuen würden.

Wissen Sie eigentlich, wer da in Ihrem Haus wohnt?

Draußen laufen wieder viele Leute durcheinander, und zu Hause sollen währenddessen die gefährdeten Alleinstehenden in Isolation bleiben. Was da gerade geschieht, sollten wir im Auge behalten. Wenn man ein bisschen über Corona hinausdenkt, ist es doch sowieso eine schöne Sache, wenn man die Zeit jetzt nutzt, um seine Mitbewohner*innen im Haus überhaupt oder besser kennenzulernen.

Vielleicht ist das ja eine wechselseitige Bereicherung für die Zukunft. Den Kindern einer vielbeschäftigten Familie mal ein Buch vorlesen, im Urlaub gegenseitig die Blumen gießen, den Briefkasten leeren oder den Hund ausführen, kann Gemeinschaftsgefühle herstellen. In Zeiten der Hektik fehlten oft Zeit und Muße, sich der fremden Nachbarschaft zu nähern. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, einen anderen Stil des Umgangs zu etablieren, mit der Chance auf nachhaltige Wirkung in der Zukunft.

Niemand muss allein sein

Es gibt den schönen Spruch „Der Weg von Dir zu mir ist genauso weit wie von mir zu Dir.“ Die Frage ist, wer zuerst das Trägheitsmoment überwindet und auf andere zugeht. Kindern fällt es manchmal leichter, ihre Schüchternheit zu überwinden und auch bei zufälligen Begegnungen neue Kontakte aufzunehmen.

Mein Sohn und ich haben früher zu Heiligabend immer einen kleinen Tannenzweig mit etwas dran an die Türen aller Hausbewohner gehängt, und Ostern einen Osterzweig mit gefärbtem Ei. Die kleine Gabe hat für das ganze Jahr über eine gute Stimmung bei Begegnungen im Hausflur auf allen Seiten verbreitet.

Dazu noch ein Wort zu Corona und Kindern. Es geht gerade darum, ob Kinder besonders oder genauso ansteckend sind wie Erwachsene. Der unten stehende Link zu dem Blog des Kinderarztes Dr. Renz-Polster gibt recht gut Aufschluss über die derzeitige Diskussion.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man eine Ansteckung durch Kinder am wenigsten zu fürchten braucht. Ich bin froh, dass ich wieder Kinderstimmen von dem Spielplatz an meinem Balkon höre. Sie haben einen hörbaren Überdruck.

Es wird spannend, wie die Kinderbetreuung unter Einhaltung vorgegebener Hygieneregeln mit weniger Personal (abzüglich Risikogruppen) unter den gleichen räumlichen Bedingungen fortgeführt werden soll. Auch die Lehrer in den Schulen werden zaubern lernen müssen, um das Unmögliche möglich zu machen; aber wir sind ja alle lernfähig, und wer weiß, was für neue Konzepte dabei herauskommen. Bleiben wir gespannt!

Linktipp
https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/corona-professor-drosten-und-die-politik/


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Kategorien Elternberatung