Veröffentlicht am Do., 14. Mai. 2020 10:51 Uhr

Die offizielle Corona-Statistik für Tansania klingt für ein 56-Millionen-Einwohner-Land wenig alarmierend: 509 Infizierte und 21 Verstorbene vermeldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mitte Mai. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten fährt Präsident John Magufuli zur Eindämmung des Virus einen entsprechend liberalen Kurs: Zwar darf niemand ohne Maske eine Kirche oder ein Büro betreten, Schulen und Universitäten sind geschlossen. Eine Ausgangssperre gibt es jedoch nicht. Läden sind geöffnet, Veranstaltungen und Gottesdienste sind erlaubt, wenn auch mit deutlich weniger Besuchern. Das Leben läuft weiter.  

"Ein kompletter Lockdown wäre für uns eine Katastrophe"

Zum Glück, meint Yekonia Koko, Superintendent unseres Partnerkirchenkreises Iringa-West: „Ein kompletter Lockdown in unserem Land wäre eine Katastrophe. Die meisten Menschen sind darauf angewiesen, jeden Tag Geld zu verdienen, um sich wenigstens Lebensmittel leisten zu können.“ Schließen Märkte, Schneiderstuben oder Baustellen, auf denen sie arbeiten, stehen sie vor dem Nichts.  

Schwierig ist die Lage momentan aus ganz anderen Gründen außerhalb der Stadt Iringa in den ländlichen Gebieten Tungamalenga und Pawaga: Starker Regen im April und Anfang Mai hat dort viele Felder überschwemmt. „Wahrscheinlich werden diese Ernten sehr schlecht ausfallen und uns vor zusätzliche Probleme stellen“, fürchtet Koko.

Das Huruma Centre ist eine kleine Festung geworden

Einen echten Lockdown hat sich das Huruma Centre auferlegt: Die knapp 50 Kinder verlassen das Gelände des Straßen- und Waisenkinderhauses nicht mehr. Kein Besucher kommt weiter als bis zum Büro von Hausleiterin Joyce direkt am Eingang des Geländes. Auch Mitarbeiter, die nicht im Huruma Centre wohnen, durften zwei Wochen lang nicht zur Arbeit kommen. „Wir bewerten die Lage von Woche zu Woche neu“, sagt Joyce. Mit den „Mamas“, die sich in den Häusern um die Kinder kümmern, achtet sie auf strenge Hygiene und versucht, den Alltag neu zu strukturieren: Es gibt feste Stundenpläne und die älteren Kinder helfen mit – zum Beispiel in der Küche.  

Im Budget des Centres hat Corona schon jetzt ein Loch hinterlassen, vor allem, weil kurzfristig Schutzmaterial angeschafft werden musste. Sorgen bereitet Joyce auch die laxe Haltung vieler Menschen in Iringa: „Manche halten sich einfach nicht an die Regeln, sie tragen keine Masken und waschen die Hände nicht oft genug.“ Aktivisten und Oppositionspolitiker zweifeln auch deshalb an dem lockeren Kurs des Präsidenten – und daran, dass die niedrigen Infektions- und Todeszahlen überhaupt der Wahrheit entsprechen.

T: JK/F: privat

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