Veröffentlicht am Di., 26. Mai. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

HIER gibt es diesen Text als pdf zum Download.


BLOG 54

Gib mir eine Aufgabe! Wir lernen gemeinsam, systemisch zu denken

Meine liebe Kollegin hat wieder eine Idee mit mir geteilt, wie sie ihr Grundschulkind geistig fit und bei Laune hält. Es ist ganz einfach: Man nehme einen Würfel mit sechs Augen, sechs Briefumschläge und lege Aufgabenzettel rein. Wenn ein Kind „Futter“ braucht, darf es würfeln und je nach Zahl einen Zettel aus dem Umschlag ziehen und eine überraschende Aufgabe bekommen, z.B. male ein Bild, wasche Deine Hände, bring den Biomüll raus, löse eine Rechenaufgabe, renne die Treppe rauf und runter etc.

In jedem Umschlag steckt eine Herausforderung

Jetzt kann man dieses einfache Prinzip systemisch ausbauen, je nach Alter und intellektuellem Bedarf der Kinder. Auch schon für Kita- und Grundschul-Kinder kann man sich im Groben die ineinandergreifenden Bildungsbereiche vornehmen, die zuerst gewürfelt werden (jeweils ein großer Umschlag):

1) Musisch-gestalterische Kreativität (Kunst, Musik, Darstellen)

2) Rechnen und kombinierendes Herausfinden

3) Sprache in Schrift, Ton und Ausdruck

4) Natur entdecken in allem, was wächst, vergeht und sich verändert

5) Bewegung mit Kraft, Ausdauer und Grazie

6) liebevolle Zuwendung und Unterstützung (von Geschwistern im Haushalt, im Haus, in der Natur o.a.)

In jedem großen Umschlag befinden sich die kleinen Umschläge mit verschiedenen Aufgaben-Levels je nach Alter und Fähigkeit. Wer das erste Level geschafft hat, darf weitermachen.

Beim Rechnen ist es einfach: Addition, Subtraktion, Multiplikation, kleine Textaufgaben, sich selbst eine Aufgabe stellen usw.). Oder im Aufgabenbereich Kunst: ein Bild von sich selbst malen, die Familie malen, die Familie in der Wohnung, mit der Umgebung, eine Bildergeschichte malen, wie einen Comic mit Text usw.). Ein Auto oder Haus malen, und dann immer weiter in die Details gehen.

Kinder sind immer auf der Suche nach geistigem Futter

Das Schöne daran ist, dass sich auch die Eltern etwas anstrengen müssen, die Struktur zu überlegen und nicht nur Essen zu machen, sondern auch geistiges Futter heranzuschaffen.

Sich zum Frühstück bedienen lassen, eine Massage bekommen oder sich abholen (liebevolle Zuwendung): Sie können alles in die Struktur packen und z.B. nach Schwierigkeitsgrad 1 bis 6 aufbauen.

Rechercheaufgaben im Haushalt oder Schätzfragen sind auch schön: Wie viele Messer und Gabeln haben wir im Haushalt, wie viele Socken, welche Farben kommen bei uns am häufigsten vor? Also schöne Aufgaben, die das Denken und Kombinieren anregen. Sie kennen Ihre Kinder am besten und wissen, was Sie ihnen zumuten können. Nicht den Joker vergessen, mit dem man sich selbst eine Aufgabe stellen darf!

Selbstverständlich müssen Sie davon ausgehen, dass Ihnen nach einer Weile ebenfalls Aufgaben gestellt werden, weil Kinder einem sowieso alles nachmachen.

Wenn Sie Fragen stellen, wählen Sie offene Fragen, die das Nachdenken oder Ausprobieren provozieren: aus Lego ohne Anleitung etwas Bestimmtes zu bauen oder aus einem alten Pappkarton etwas zu basteln. Denken Sie dran, dass Sie bestimmt auch Zeit für sich gewinnen wollen. Dann haben Sie die perfekte win-win-Situation: Ihr Kind lernt, sich selbst zu bilden, und Sie können Ihr Homeoffice weitermachen.

Gutes Gelingen!


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Kategorien Elternberatung