Veröffentlicht am Mo., 8. Jun. 2020 00:00 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

HIER gibt es diesen Text als pdf zum Download.


BLOG 62

„Wir müssen noch zu Tilia“ – „Giessi“gehen als neues Hobby

„Die Linden (Tilia), über mittelhochdeutsch linde von althochdeutsch linta, bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Lindengewächse (Tilioideae) innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).“ (Quelle: Wikipedia)

In Blog 30 hatte ich schon einmal über das Gießen von Straßenbäumen als Familien-Projekt geschrieben. Jetzt habe ich mich bei www.giessdenkiez.de eingeschrieben. Dort sind sämtliche Straßenbäume mit Namen und Alter aufgeführt und wie viel Wasser sie bekommen haben. Sie können eine Patenschaft übernehmen und online eingeben, wann Sie wie viel gegossen haben; das wird dann eingepflegt.

Eine Freundin, der ich heute Morgen zu ihrem Geburtstag gratuliert habe, erzählte mir stolz, dass sie sich einen Eimer gekauft habe, um ihren Straßenbaum vor der Haustür zu gießen.

Das ist doch mal eine echte Alternative dazu, dass sämtliche Hunde beim Gassigehen anstandslos an alle Bäume pinkeln dürfen, aber der Wasserbedarf der Bäume nicht gedeckt wird. Die Bäume sollen für alles herhalten, werden vielleicht noch beschimpft, wenn die Scheiben von unter den Linden geparkten Autos verklebt sind. Oder wenn ihre starken Wurzeln die Fahrradwege anheben und eine schnelle Fahrt verhindern, weil man achtsam sein muss. Dabei ist der Duft der Linden, insbesondere in Berlin, wo es so viele gibt, ein sicheres Indiz für den beginnenden Sommer.

Entdecken Sie mit Kindern das Leben der Bäume

Bäume sind sowieso ein Mysterium für sich. Nicht zufällig verliefen sich Hänsel und Gretel in dem Wald, in dem sie ausgesetzt wurden, weil die Familie zu arm war, um alle zu ernähren. Fast alle mir bekannten Grimm’schen und Europäischen Märchen spielen im Wald. Geheimnisse, Abenteuer, Gefahren und Wunder sind da zu finden. Kennen Sie das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben? Wer sich an das Verständnis von Bäumen ranmachen möchte, sollte es lesen. Da sind viele kleine wundersame Geschichten drin, die auch für Kinder spannend und motivierend sein können, um Lust auf eine Baumpatenschaft zu bekommen.

Füreinander sorgen: Ein Motto, das durch die Corona-Zeit eine neue Bedeutung bekommen hat und hoffentlich eine Weile anhält. Jetzt fällt mir eine weitere Verbindung ein!  

Gute Bildung verläuft in Assoziationsketten

Heute Morgen kam der Schornsteinfeger und überprüfte meine Therme. Ich sagte, heutzutage müsse man sich ja gar nicht mehr schmutzig machen in dem Beruf, der obendrein auch noch krisenfest sei. Er zählte mir aber auf, wo überall im Kiez noch Öfen stehen, die auch in Benutzung sind. Er klagte nur, dass es so wenige Lehrlinge in der Branche gibt, wo es doch so schön ist, bei sämtlichen Anwohnern als Überbringer des Glücks zu gelten. Aber die jungen Leute wollten eben nicht mehr früh aufstehen und sich schmutzig machen. Dabei war er selber noch jung! Ich entgegnete nur, dass eben bei vielen jungen Menschen der Leistungsmuskel noch trainiert werden müsse. Das fand er ein gutes Bild.

Ich dachte hinterher über Natur, Klima, Arbeit, Leistung und fossile Brennstoffe nach und kam wieder auf das Thema „Bäume gießen“ zurück. Was hat das alles miteinander zu tun? Welche Themenkreise und Kreisläufe kann ich erkennen, die Kinder und Jugendliche auch emotional erfassen müssten, um für die Zukunft, ihre Gesundheit und ihre Welt sorgen zu können?

Wenn man nun das Internet als Werkzeuge benutzt, um Informationen über diese Zusammenhänge herauszufinden, sich vielleicht im Portal www.giessdenkiez.de zu registrieren und als Familie oder Einrichtung eine Verbindlichkeit mit einem Baum einzugehen, dann ist das so, wie Bildung eigentlich in Assoziationsketten laufen sollte. Professor Gerald Hüther würde sagen, dass das Begeisterung und damit Lernprozesse hervorruft.

Also: Bevor ein Baum durch die Trockenheit im Eimer ist, sollte vielleicht doch lieber der Eimer Wasser zum Baum gebracht werden!


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