Veröffentlicht am Mo., 22. Jun. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über ein gelingendes Familienleben im Corona-Modus.

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BLOG 72

Kinder sind systemrelevant

… und zwar alle Kinder! Aber für welches System? Die Art, wie Kinder aufwachsen und was sie erleben, wird der treibende Motor ihres späteren Handelns als erwachsene Menschen sein. Je mehr sie wissen, denken, können und fühlen, desto bewusster und intensiver werden sie Einfluss nehmen, unabhängig davon, in welche Richtung.  

Die Corona-Krise wird sich als eine wesentliche Erfahrung in die Jahresringe der Biografie unserer Kinder eingeschrieben haben. Auf welche Art und Weise, können wir jetzt nicht vorhersagen. Bei den einen vielleicht als schöne Zeit zu Hause, mit mehr Mama und Papa im Homeoffice und Geschwistern, Zeit zum Spielen und Nachdenken ohne Lärm und Chaos drumherum – wenn der Platz zu Hause ausreichend und das Familienklima positiv ist.  

Die anderen erleben vielleicht genau das Gegenteil: Wenn das Geld knapp ist oder die Zeit der Eltern, niemand etwas mit sich anzufangen weiß, die Gewalt zunimmt und die Wut auf die Einschränkungen wächst. Diesen Kindern fehlen die Anregungen, der Gebrauch der Sprache reduziert sich, weil alle angeleiteten Lernprozesse stocken. Trotzdem lernen die kindlichen Gehirne weiter, nur eben nach den entsprechenden Angeboten.  

Für Kinder mit Migrationshintergrund oder anderen sozialen Belastungen sind Kita und Schule lebensnotwendig: um Kontakte zu knüpfen, zu lernen, sich auszudrücken und um ihr Leben später in einem sozialverträglichen Sinn in den Griff zu bekommen. Wie wichtig ein zu jeder Zeit gutes Bildungssystem ist, kann man spätestens jetzt erahnen.  

In der Corona-Krise treten plötzlich schon lange vorhandene gesellschaftliche Missstände prominent zutage. Nicht nur die unbeschreiblich ausbeuterischen Bedingungen in der Fleischindustrie sind ein Beispiel dafür – sondern auch die prekäre Situation vieler Kinder und Familien. Da helfen auch keine 300 Euro Kinderbonus. Aber was dann? Sicher eine Bildungspolitik, die jedes Kind als systemrelevant ansieht – und entsprechend investiert. Aber viel niedrigschwelliger auch jeder Einzelne, der wachsam in sein Umfeld schaut.  

Wir alle haben ein soziales Vermögen – setzen wir es ein!  

Ich lese gerade, dass die Corona-Krise das Wachstum der Privatvermögen dämpft. Die Zahl der Millionäre habe sich in den letzten 20 Jahren weltweit verdreifacht; in Deutschland verdoppelt. Ich denke mir meinen Teil und schaue ins Umfeld: Was ist mein „Vermögen“ im Sinne von „Was vermag ich zu tun?“  

Ich selbst schreibe diese Blogs, berate Eltern, spende, wo ich es für sinnvoll halte, kommuniziere bewusst mit Menschen, von deren Einsamkeit oder Schwierigkeiten ich weiß, und sorge dafür, möglichst bei Kräften und Laune zu bleiben. Am liebsten würde ich auch jeden Tag mit Familien und Kindern ganz konkret beisammen sein und spielen, mit Schüler*innen lernen; aber das schaffe ich alles nicht mehr, nur noch situativ.  

Sie sind dran! Vielleicht bekommen Sie ja Ideen, was Sie privat oder Ihre Firma an „Das-vermögen-wir-zu-tun“ besitzen und ganz praktisch und mitmenschlich mit Spaß für das soziale Gemeinschaftskonto einbringen können. Ich lese gerade von Maja Göpel „Unsere Welt neu denken. Eine Einladung“. Sehr anregend!


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Kategorien Elternberatung