Veröffentlicht am Di., 23. Jun. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über ein gelingendes Familienleben im Corona-Modus.

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BLOG 73

"Do it like Frederick" oder: Es gibt keine Zeit nach Corona, nur mit Corona

Heute Morgen rief mich mein bester Freund an, der wegen seines biologischen Alters und Vorerkrankungen die vergangenen Monate brav in der selbstverordneten Quarantäne verbracht hat. Er darf es wirklich nicht kriegen! Für einen quicklebendigen Musiker ist das nicht leicht, und so langsam kehrt der Mut zu ihm zurück, das Leben mit der bisher nicht auszuräumenden Gefahr wieder vorsichtig zu öffnen.  

Was brauchen wir für ein zufriedenes Leben, vor allem in harten Zeiten? Mir fiel das Bilderbuch „Frederick“ von Leo Lionni ein. Ich habe es meinem Sohn vorgelesen, seit er sitzen konnte, wir haben dem Buch als Hörspielkassette gelauscht und es schließlich beim Mäusespielen ausgelebt. Ich wurde nie überdrüssig und muss gestehen, dass ich am Schluss immer Tränen in den Augen hatte. Eine kleine Zusammenfassung, falls jemand das Buch nicht kennt:  

Der Winter naht. Alle Feldmäuse arbeiten Tag und Nacht, sammeln Körner und Nüsse, Weizen und Stroh. Alle – bis auf Frederick. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, seine Vorräte für die kalten, grauen und langen Wintertage. Schon als Kind liebte Autor Leo Lionni die Natur, und das änderte sich im Laufe der Jahre auch nicht mehr. Seine Beobachtungen spiegeln sich in seinen Bilderbüchern wider: »Das Staunen, das mich erfüllt, wenn ich im Gras liege und eine Riesenwelt im Kleinen beobachte, in der Grashalme Mammutbäume sind und ein Käfer ein angreifendes Nashorn, ist noch dasselbe wie damals, als ich ein kleiner Junge war.« (Leo Lionni)  

Machen wir es wie die Maus Frederick  

Jetzt haben wir noch die Kernzeit des Sommers vor uns, die Ferienzeit, die langen Abende und die Wärme. Wir können alles nach draußen verlagern, und wenn wir es gut anstellen, bekommen wir Corona so in den Griff, dass wir damit leben können. „Leben ist immer lebensgefährlich“, wie Erich Kästner ja so schön sagte.  

Was aber machen wir, wenn die kalte Jahreszeit kommt, vielleicht sogar eine zweite Welle? Wenn es dazu kommt, dass wir immer noch keine größeren Indoor-Veranstaltungen durchführen dürfen? Junge Menschen, die sich hormongesteuert und entwicklungsgerecht in Gruppen und Cliquen aufhalten wollen, werden sich wie Tiger im Käfig fühlen!  

Ich glaube, wir sind auf der sicheren Seite, wenn wir diese warme Zeit nutzen, um es wie Frederick zu machen. Jetzt vorsichtig bleiben, die Infektionszahlen ins Unterirdische drücken und sich mental auf die Zeit vorbereiten, die im Herbst und Winter auf unterschiedliche Weise kommen mag. Schönes, Ideen und Gedanken sammeln. Modeschöpfer müssen jetzt schließlich auch schon planen und ihre Kollektionen für den Winter einkaufen.  

Man gewöhnt sich an manche Pflicht, wenn sie Freiheit ermöglicht  

Zum Beispiel an den Gebrauch des Mund-Nasenschutzes. Mein Eindruck ist, dass diese neue Sitte sehr viel bewirkt und in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften ein absolutes MUST HAVE sein sollte! Mit dem Nichtrauchergesetz hat es ja auch geklappt! Da kann man sich was abgucken.  

Auf Begegnungen und Berührungen darf auf Dauer nicht verzichtet werden; das verroht die Menschen, jung wie alt. Das Pferd, das sich Corona nennt, sollte über die Zügel Tests und Verhalten in den verschiedenen Kommunikationsbereichen gesteuert werden, solange es ohne Impfung nötig ist. Das heißt Selbstverantwortung und Kontrolle in einem ausgewogenen Maße zu praktizieren. Und manche Leute brauchen eben helfenden Zwang.  

Meine CORONA-Zeiten werden ohnehin anhalten, denn für dunkle Abende habe ich auf meiner diatonischen Harmonika viel zu üben. Ihr Name: CORONA II.



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