Veröffentlicht am Mi., 15. Jul. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über ein gelingendes Familienleben im Corona-Modus.

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BLOG 89

Was bietet die Montessori-Pädagogik zum Leben mit Corona?

Ich habe mich bei Surfen durch meine Themen wieder einmal bei der Montessori-Pädagogik festgelesen. Was mich immer fasziniert, ist die gelassene Entspanntheit, die Pädagog*innen vermitteln, die mit dieser Haltung arbeiten.

Kinder brauchen und lieben Rituale. Sie geben ihnen ein Schema an die Hand, mit dem sie die Welt Schritt für Schritt in sich aufnehmen und ihr Gehirn strukturieren können. Dabei werden in der Herangehensweise nach Maria Montessori sorgfältig entwickelte Materialien eingesetzt, die die Denkfähigkeiten der Kinder aufschließen sollen. Es lohnt sich, im Internet einige Beiträge anzuschauen, die auch Anregungen geben, Spiele selbst zu basteln und mit Kindern gemeinsam zu entwickeln.*

Zur persönlichen Freiheit gehört auch das soziale Handeln

Es wird sich erst später zeigen, wie sehr die frühe Entwicklung in Corona-Zeiten die Kinder prägt. Das muss nicht nur zum Negativen sein, sondern kann durchaus vernachlässigte Umgangsweisen – mit mehr sinnvoller Ordnung – in ihrem Wert wieder ans Licht bringen. Das „Ich-kann-machen-was-ich-will-Syndrom“, geprägt durch die äußere Welt des „Ich-kann-kaufen-was-ich-will“ (wenn ich es mir leisten kann) ist ein fatales Produkt der Konsumgesellschaft und hat meiner Ansicht nach nichts mit Freiheit zu tun. Zur persönlichen Freiheit gehört auch das soziale Empfinden und Handeln.

In diesen Corona-Zeiten müssen sich auch Kinder mit etwas auseinandersetzen, dass sie noch viel weniger verstehen können als Erwachsene. Oder ist es sogar umgekehrt? Das Erlernen der Abstandsregeln und des Sich-und-andere-Schützens ist eine Notwendigkeit, die so bisher nicht nötig war. Wenn diese Vorsichtsmaßnahmen in verständliche Rituale eingebunden werden, die durchaus mit Freude und Humor gekoppelt werden können, lernen die Kinder von heute etwas Wichtiges, nämlich den von mir bereits erwähnten „Anstand“, der dem Miteinander guttut. Aus misstrauischen und ängstlichen Begegnungen wegen Corona eine achtungsvolle Zuwendung zaubern; so stelle ich mir das vor.

Kinder lernen lieber voneinander als von Erwachsenen

Die Montessori-Pädagogik geht immer von der Altersmischung aus, weil Kinder viel lieber voneinander als von Erwachsenen lernen. Das Soziale ist ohne Anstrengung bereits eingebaut, die Teamarbeit mit unterschiedlichen Fähigkeiten der Einzelnen prinzipiell angelegt. – Ich würde mich sehr freuen, wenn die übliche Kindertagesbetreuung mehr von dieser Theorie und Praxis bereichert würde. Die Inhalte sind leicht über das Internet zu recherchieren.

Gut eingeführte Routinen, achtsamer Umgang mit Materialien, Instrumente, um in Rituale hineinzufinden – das scheint mir ein guter Weg, um Beruhigung in das ganze System der „Erziehung“ zu bringen, zu Hause und in Einrichtungen. Mit einer guten Struktur des Umgangs miteinander und mit den Dingen haben die Kinder aller Altersstufen die Freiheit, zu entscheiden, womit sie sich beschäftigen und von wem sie lernen möchten.

* Linktipps

https://www.deutsche-montessori-gesellschaft.de/files/wie_macht_man_montessori_in_corona.pdf

https://montiminis.com/mit-kindern-ueber-corona-sprechen-poster-und-lernkarten-kostenloser-download/

https://www.youtube.com/watch?v=pWPUNs1p91g


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