Veröffentlicht am Mo., 20. Jul. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über ein gelingendes Familienleben im Corona-Modus.

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BLOG 92

„Ist Oma jetzt im Himmel?“ – Mit Kindern über das Ende des Lebens reden

Wenn wir mit Kindern über Sterben und Tod reden, gilt dasselbe wie bei allen wichtigen Themen des Lebens: ehrlich und angemessen informieren, die eigenen Emotionen und die des Kindes berücksichtigen und ansprechen und Sicherheit und Hoffnung vermitteln.

Ein Kind spürt, ob es ernst genommen wird oder aus wichtigen Bereichen herausgehalten werden soll. Wenn Oma, Opa oder jemand aus der näheren Umgebung gestorben ist, gibt es keinen Grund, ein Kind nicht mit auf die Beerdigung zu nehmen. Früher wurden die Leute noch in der Wohnstube aufgebahrt, bis der endgültige Abschied vollzogen wurde. Heute ist die Abwicklung bis zum Begräbnis den Bestattungsunternehmen überlassen.

Geben Sie ruhig zu, dass Sie nicht alles wissen

Erst mit 9 bis 12 Jahren können Kinder wissen, dass alle Menschen sterben müssen. Dieses Thema will auch verarbeitet werden. Bei vielen Kinder sind die Gefühle Wut und Trauer zum Verwechseln ähnlich. Den Unterschied müssen sie in einer unbekannten Situation erst erlernen, so wie jedes neue Gefühl erst integriert werden muss. Und weil die Vorstellung vom Tod erst einmal abstrakt und nicht erträglich ist, brauchen die Kinder Bilder: zum Beispiel vom Himmel, einem Sinn in allem, oder dass Oma und Opa jetzt auf einer Wolke sitzen und einen beschützen.

Wenn Kinder fragen, sollte man sich von ihren Vorstellungen leiten lassen und nur die Antworten geben, die dem entsprechen. Ehrlich, prompt und durchaus in der Wiederholungsschleife kann man ihre Neugier befriedigen. Obendrein ist es sinnvoll und richtig, zu sagen, dass man auch nicht alles weiß. Und dass niemand wirklich sicher ist, was nach dem Tod mit der Seele, dem Lebendigen geschieht – es aber viele höchst unterschiedliche Vorstellungen davon gibt. Auch wann jemand stirbt, wissen wir nicht, weil wir nicht in die Zukunft schauen können. Da wir aber alle das gleiche Schicksal haben, ist es gleichwohl etwas Normales.

Kinder können in einem Moment an den ganz existenziellen Fragen hängen und sehr traurig sein, um im nächsten Moment spielen zu gehen oder etwas völlig Banales zu fragen. Diese Affektumkehr erleichtert den Zugang zu den „trauerfreien Zonen“.

Wie Erwachsene brauchen auch Kinder Ausdrucksmittel, wenn sie über Verstorbene reden: Es hilft, zu erzählen, was genau passiert ist, sich an Geschichten zu erinnern, die man mit dem Verwandten oder dem Haustier erlebt hat, Fotos anzugucken, Bilder zu malen, die Lieblingsmusik zu hören oder das Lieblingsessen zu kochen. In Mexiko begeht man am 2. November den „Día de los muertos“, den Tag der Toten. Die Angehörigen feiern eine große Party auf dem Friedhof, mit dem Lieblingsessen des Verstorbenen am Grab. Ein unglaublicher Konsum geht damit einher: Es gibt aufwendigen Blumenschmuck und Süßigkeiten in Totenkopf-Form aus buntem Zuckerguss. Der Grundgedanke aber gefällt mir: Dass man etwas Schönes aus dem Leben des Verstorbenen zelebriert und nicht nur trieftraurig mit „Grabesmiene“ herumlaufen muss.

Egal, wie man es in einem Gespräch mit Kindern verpackt – die Botschaft muss sein, dass das Leben nicht anhält, sondern weitergeht und jede neue Generation Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft ist.


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