Veröffentlicht am Di., 8. Dez. 2020 00:00 Uhr

Der Alltag mit Kindern ist wunderbar und herausfordernd – und manchmal beides gleichzeitig. Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern in Fragen rund um Familienleben und Erziehung. Dieser Themenfundus und persönliche Beobachtungen sind die Inspiration für ihren wöchentlichen Blog „Familiensinn“.

Blog 17 - Was ist der Sinn von „familiensinn“?

Wir diskutieren manchmal in unserer Redaktion, inwieweit das Thema „Klimawandel“ in seiner politischen Dimension den Rahmen meiner kleinen Kolumne überdehnt. Ich möchte meine Gedanken zu dieser Frage hier mal öffentlich machen

In der vergangenen Woche habe ich an einem Online-Kongress des Bundesverbandes für Mediation (BM) per Zoom zum Thema Klimawandel teilgenommen. Es gab fünf verschiedene Keynotes und Vorträge neben vielen Workshops.

Kübra Gümüsay referierte aus ihrem Buch „Sprache und Sein“ und Lamya Kaddor sprach zu „Mit Haltung, Mut, Herz-Antworten auf den Klimawandel“. Noch mehr beeindruckten mich die Vorträge des Geologen Prof. Dr. Wolfgang Oschmann zum Thema „Lernen aus der Vergangenheit – Die Entwicklung des Klimas im Vergleich zu vergangenen Warm- und Eiszeiten“ (Lit.: Evolution der Erde) und des Klimaforschers Prof. Dr. Mojib Latif.

Letzterer verglich die Corona- und die Klimakrise: Beide sind mit Ansage gekommen, aber trotzdem ohne Vorbereitung geblieben. Ich verstehe jetzt viel mehr von der Komplexität und der Bedeutung der Erderwärmung. Spätestens seit 1990 sind die Emissionszahlen weltweit dermaßen explodiert, dass gutes Zureden nicht mehr ausreichend ist, genauso wie bei den Corona-Maßnahmen. Ich verstehe aber auch, weshalb es unserer Spezies Mensch so schwerfällt, sich die Dimension dieses aufkommenden Katastrophenszenarios vorzustellen, solange es einen nicht persönlich zu betreffen scheint.  

Ich möchte niemanden überzeugen oder missionieren, aber ich kann es nicht lassen, aufzuklären und Zusammenhänge herzustellen, damit unsere Kinder und Enkelkinder nicht nur mit unserem Wohlstandsmüll und irreparablen Folgen der Erderwärmung zu kämpfen haben. Natürlich brauchen wir eine nachhaltige Energiegewinnung, und diesen Weg müssen unsere Kinder finden und mit Überzeugung gehen. – Ich glaube, ich schreibe das hier alles, um auf meine Art manche Verbindungen zwischen den großen und den kleineren Themen des Lebens aufzuzeigen. Es lohnt sich, an allen Ecken und Enden einen Beitrag zu leisten, ob im privaten oder öffentlichen Bereich.  

„Das Private ist politisch“ war einer der Slogans der zweiten Frauenbewegung der 70er Jahre. Vielleicht liegt ja ein guter Teil der Chancen in der aktuellen Situation ohnehin in den Händen der Frauen und Mütter, die nach wie vor den größten Teil der Familienarbeit absolvieren?  

Atemübungen, Bastelanregungen oder weitschweifige Reflexionen, alles ist gut, wenn es nicht der Verdrängung des Notwendigen und Nachhaltigen, und vor allem der Arbeit an liebevollen Beziehungen dient. Für mich ist das politisch, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es eine Wirkung in das Außen und in die Zukunft hat.

Wir sehen es gerade, wie sich unsere Politiker*innen gemeinsam drehen, wenden, krümmen, streiten und kompromisslern, mit gut gemeinten, aber teilweise unlogischen Ergebnissen. Letztendlich liegt es in der Hand der Bürger*innen, aller einzelnen Menschen, ob wir die Ansteckungszahlen schneller senken oder nicht. Ob das Weihnachtsfest innig und gemütlich oder frustrierend ausfällt, liegt ganz in den eigenen Händen und der inneren Einstellung zur Bedeutung des Festes. Und das hängt wiederum davon ab, wie wir im privaten Bereich miteinander kommunizieren.  

Die konstruktive und wertschätzende Kommunikation einerseits und gleichzeitig die Auseinandersetzungsbereitschaft zu den wichtigen Themen des Lebens andererseits sind meiner Ansicht nach die wichtigsten Schlüssel in die Zukunft; vorbildhaft für die Kinder und gnadenlos gegenüber jeglicher Negativität. 

Ich war vor zwei Tagen, am herrlichen 2. Advent, bei erträglichen Temperaturen und winterlichem Sonnenschein mit drei Generationen auf dem Tempelhofer Feld. Der Opa hatte traditionell die Drachen gebaut (als Risikopatient leider ohne Enkel-Hilfe), die Eltern und die Enkelkinder brachten die einfach gebauten Teile aus Mülltüten und Bambusstäben erfolgreich in die Luft. Und ich konnte alle mal wieder treffen und gleichzeitig die wunderbare Atmosphäre auf unserem einmaligen Terrain in Tempelhof genießen. Macht Spaß, verbindet, kostet nichts, Erwärmung erfolgt durch Bewegung!


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Kategorien KK-Blog Familiensinn

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