Veröffentlicht am Do., 10. Dez. 2020 00:00 Uhr

Der Alltag mit Kindern ist wunderbar und herausfordernd – und manchmal beides gleichzeitig. Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern in Fragen rund um Familienleben und Erziehung. Dieser Themenfundus und persönliche Beobachtungen sind die Inspiration für ihren wöchentlichen Blog „Familiensinn“.

Blog 18 - Ich möchte das Querdenken zurück!

Ich erinnere mich daran, dass das „um-die-Ecke-Denken“ einst das Privileg der Kreativen, der Avantgarde und intelligenten Erfinder bezeichnete und im Zuge der Erkenntnisse der neuen Hirnforschung als mordsmäßig fortschrittlich betrachtet wurde.  

Das war die Zeit als die ganzen Sprachschöpfungen wie Pilze aus dem Boden schossen: z.B. benannten sich die Friseure in ‚Haarscharf‘, ‚Haarmonie‘ oder ‚Hair-Bert‘ (sorry, ist von mir) um. Auch die Werbetexter dachten sich viel aus und brachten damit auch mehr Humor in den Alltag.  

Wenn man jetzt ‚um die Ecke denken‘ als ‚quer‘ visualisiert, habe ich das Gefühl, gerade alle Nachrichten falsch zu verstehen. – Ich möchte das Wort zurück! Ich möchte eine öffentliche und konsequente Richtigstellung dieses Begriffs! Ich möchte das ‚Querdenken‘ für die wahren klugen Menschen zurückerobern! Das Wort soll sich gar nicht erst mit seiner falschen Bedeutung in die Köpfe unserer Kinder einnisten, denke ich quer.  

Die Menschen, die sich selbst so bezeichnen, denken sowas von geradeaus und linear auf ihrer Einbahnstraße aus der Vergangenheit, dass es nichts mit Erfindungsreichtum oder Innovation zu tun hat.  

Wie kann ich mir das konkret vorstellen? Was wäre eine Möglichkeit, um sich die ‚Seelenanteile‘ (Inhalte) zurückzuholen?  

Ich spinne mal herum, wie ich mir kleine Schritte in die richtige Richtung vorstellen könnte. Es geht mir nicht um die Überzeugung Andersdenkender, sondern um die Abkehr in eine andere, bisher unbekannte Richtung. Niemand, der klar bei Verstand ist und die Freiheit liebt, möchte ein totalitäres System, und wir können froh und stolz sein, wie gut unsere Demokratie in Deutschland noch funktioniert.  

Es wird nach Corona auch nicht weitergehen wie vorher; denn wir werden lernen müssen, mit Pandemie-Bedingungen auf längere Sicht zu leben und gleichzeitig die Erderwärmung mit stürmischem Tempo aufzuhalten, bevor die klimabedingten Stürme über verschiedene Regionen herziehen. Die Wirtschaft wird ihre Produkte und Arbeitsformen ins Brauchbare für die Zukunft transformieren müssen.  

Ich liebe ja das Spiel „Was wäre, wenn…?“ Das habe ich von meiner Mutter. Wir gingen manchmal zusammen auf den Markt, wenn Ferien oder früher Schulschluss waren, und stellten uns vor, wir hätten im Lotto gewonnen. Was würden wir kaufen oder unternehmen? Lustigerweise blieb es meistens beim Alten, weil uns die Fantasie fehlte, was überhaupt alles möglich wäre. Mein Sohn zwang mich viele Sonntagvormittage, neue Spiele zu entwickeln und sich Regeln auszudenken. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar!  

Wenn man sich also vielleicht à la MONOPOLY z.B. Ereignis- und Gemeinschaftskarten nach maximalem eigenem Kenntnisstand herstellt, auf denen steht, was die Realität vorgibt (Ereignisse:  COVID-II, AHAL-Regeln, CO2-Ausstoß etc.) und auf der Gemeinschaftsebene die Bedürfnisse festhält (Bindung, Bildung, Familie, Beruf, Einkommen, Kommune, Staat etc.), dann hat man Hilfestellungen, um sich die zentrale Frage des Lebens zu erobern: „WIE WILL ICH LEBEN?“ Das aber in Akzeptanz der bestehenden realen Bedingungen!  

Es gibt kein Recht in dieser Welt, das Veränderung verhindern kann. Wenn ich also quer zum Erhalt des Bisherigen denke, weil die Zeiten einfach vorbei sind, dann muss ich mich verändern, neue Anpassungsleistungen erbringen, kann aber auch neue Ideen in die Welt setzen.  

Das Ergebnis des Spiels könnten neue Tätigkeitskarten sein. Und wenn man einen Gewinner jeder Spielrunde haben will, dann kann man gemeinsam abstimmen, welche Idee die cleverste und effektivste ist. Der Preis wäre natürlich die Erfüllung eines umweltfreundlichen Wunsches!  

Das ganz Neue an dieser Art zu spielen wäre, dass jede neue Spielrunde anders ist. Je nach Zusammensetzung der Spieler*innen und dem Informationsstand (nächste Woche kann manches anders sein), gibt es neue ergänzende Fakten und Karten. Der Bildungseffekt bei diesem Spiel wäre, dass man sich daran gewöhnt, echt quer zu denken und neue Strategien zu entwickeln. Der Horizont erweitert sich zunehmend!

Wir brauchen neue Spiele, neue Ziele, neue Strategien und andere Gewinne als bisher! Wir brauchen altersgemischte Spiele, von den Kleinen bis zu den Alten. Da könnten sich wie bei Doppelkopf auch Koalitionen bilden.  

Trauen Sie sich ins Land der lebenserhaltenden ‚Science Fiction-Szenarien‘ und haben Sie Spaß dabei!


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Kategorien KK-Blog Familiensinn

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