Veröffentlicht am Di., 29. Dez. 2020 00:15 Uhr

Der Alltag mit Kindern ist wunderbar und herausfordernd – und manchmal beides gleichzeitig. Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern in Fragen rund um Familienleben und Erziehung. Dieser Themenfundus und persönliche Beobachtungen sind die Inspiration für ihren wöchentlichen Blog „Familiensinn“.

Blog 22 – Wieso der Katze das Bellen beibringen?

Juchhu; Weihnachten überlebt! Und es war sogar schön! Entspannt, ruhig, noch nahrhafter als sonst, weil ja nicht viel mehr als Essen und Trinken möglich war; schöne Gespräche auf verschiedenen Kanälen und ausreichend Schlaf für Schönheit und Gemüt! Vor allem habe ich mir zu Weihnachten geschenkt, die Nachrichten für ein paar Tage auszusetzen, Zahlen über Infektionen und Tweets und Talks zu ignorieren und einfach nur da zu sein.

Ich gebe zu, dass ich froh bin, noch einen ‚personal PKW‘ zu besitzen, der das Reisen in eine ‚Hot-Spot-Region‘ wie Sachsen sicher und bedenkenfrei machte, sodass ich keinem potentiellen Virusträger nahekommen musste. Meine beiden anderen ‚Weihnachts-Companions‘ leben genauso ‚quarantös light‘ wie ich, sodass wir keine Sorgen bei einem Treffen hatten. – Was bin ich erholt!

Und nun habe ich mich heute wieder dem alltäglichen Irrsinn zugewandt. – Sind die Leute nicht echt durchgeknallt? Englische Touristen flüchten aus der Schweizer Quarantäne und machen andere zu Patienten. Hallo? In Österreich fluten sie die Ski- und Rodelpisten, bis sie gesperrt werden müssen, weil die Anzahl der Autos alle Ränder und Plätze sprengt. Geht’s noch?

Die Reiselustigen dürfen alle noch durch die Gegend fliegen und Urlaub machen! Sie dürfen sich in der Welt tummeln und das ganze Geld verbrennen, die zum Beispiel unser Staat in die Lockdown-Maßnahmen investiert, weil natürlich auch Virusträger dabei sind. Ich fasse diesen Wahnsinn nicht. Die Virologen und Pandemiker, Ärzte und Pfleger*innen weltweit müssen doch denken, sie werden nach Strich und Faden ver … (Pardon für meine Ausdrucksweise)!

Liebe Menschen, die meine Texte lesen: Nutzt eure Möglichkeiten, beruflich oder privat, um Einfluss zu nehmen, und zwar zuerst auf Ihr/euer eigenes Leben.

Ich bin begeistert von „The Work“ von Byron Katie. www.thework.com
„Wenn du willst, dass die Wirklichkeit anders ist, als sie ist, kannst du genauso gut versuchen, einer Katze das Bellen beizubringen. Du kannst es immer weiter probieren und zum Schluss wird die Katze zu dir aufschauen und Miau sagen. Die Wirklichkeit anders haben zu wollen, als sie ist, ist aussichtslos. … Jeder Stress, den wir fühlen, wird dadurch ausgelöst, dass wir mit dem streiten, was ist. …. Ein Gedanke ist solange harmlos, bis wir ihn glauben. Es sind nicht unsere Gedanken, sondern das Anhaften an unsere Gedanken, das Leiden verursacht. Einem Gedanken anzuhaften bedeutet, ihn für wahr zu halten, ohne dies überprüft zu haben. Eine Überzeugung ist ein Gedanke, an dem wir – vielleicht seit Jahren – anhaften.“

Sie hat ihre Arbeit in vier Fragen und deren Umkehrung zusammengefasst.
Ich habe einen Gedanken, z.B.in unserem Kontext: „Ich habe in diesem Jahr so viel gearbeitet, dass ich unbedingt einen Urlaub auf den Kanarischen Inseln brauche, um mich erholen zu können. Ich bin jedes Jahr um diese Zeit auf die Kanaren geflogen und kann mir nichts Besseres für meine Gesundheit vorstellen.“

Dann mache ich die Gegenprobe und frage mich selbst:

1.    Ist das wirklich wahr? (Ja oder nein.)
2.    Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? (Ja oder nein.)

3.    Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
4.    Wer wärst du ohne den Gedanken?

Ich habe also aufgrund meiner Erfahrungen klare Vorstellungen davon, was mir guttut. Das ist ein Teil meiner Realität.  Aber was ist, wenn die Realität inzwischen eine ganz andere ist, wenn die Tatsache der Anwesenheit eines neuen Virus mit seinen folgenden Mutationen plötzlich eine ganz neue Realität kreiert? Eine neue Realität, die mich zwingt, meine Annahmen über meine Wirklichkeit zu überdenken?

Wenn also jemand mit mir in voller Überzeugung über eigene Gedanken spricht, auch in meinen Beratungen, dann frage ich gerne, ob das wirklich wahr ist. „Sind Sie sicher?“ Wenn es nach dieser Frage einen Moment der Ruhe gibt, dann kann es durchaus sein, dass eine Antwort aus dem Inneren aufsteigt, die vielleicht den Hund bellen und die Katze wieder miauen lässt.

Wenn es also den Bürger*innen, wenigstens in Deutschland, und hoffentlich darüber hinaus in der EU, gelingen würde, diese Momente der Ruhe zuzulassen, dann könnte vielleicht dabei herauskommen, dass es gar nicht so viel Stress bedeutet, vernünftig zu sein und alte Vorstellungen loszulassen, die nicht mehr der aktuellen Realität entsprechen. Es reduziert Stress und Ärger und ist gleichzeitig  zukunftsförderlich für Herz und Hirn und Lunge!


Sie haben eine Frage oder möchten sich beraten lassen? Schreiben Sie mir eine Mail an rohrbach@cw-evangelisch.de. Ich melde mich unmittelbar zurück und wir vereinbaren einen Termin für ein Telefonat oder ein Video-Meeting. Das Angebot ist kostenfrei und auf Wunsch anonym. 

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich freue mich über jede Rückmeldung! Wer ein Wunschthema, positive Resonanz oder kritische Anmerkungen hat, darf sie mir gerne schicken. 

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Kategorien KK-Blog Familiensinn

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