Veröffentlicht von Juliane Kaelberlah am So., 14. Feb. 2021 15:58 Uhr

Gemeindearbeit in ländlichen Gebieten kann ein Kraftakt sein. Wer als Pfarrer in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern mehrere Gemeinden zu versorgen hat, wird das bejahen. 20 oder deutlich mehr Kilometer fahren, nur für einen Gottesdienst oder ein Seelsorgegespräch? Keine Seltenheit. Seine Kollegen in Tansania legen diese Strecken für Andachten, Beerdigungen oder Taufen ebenfalls zurück – allerdings oft zu Fuß.

In Regionen wie Pawaga in unserem Partnerkirchenkreis Iringa-West sind die Gebiete der Kirchengemeinden weitläufig. Neben den Hauptkirchen gibt es deshalb überall sogenannte Predigtstätten, an denen sich Christen zum Gottesdienst treffen – manchmal eine Kapelle, manchmal nur ein Baum, der Schatten spendet. Viele Menschen ziehen für bessere Lebensbedingungen zudem häufig um – nicht nur die Massai, die die Tiefebenen mit ihren Rindern, Schafen und Ziegen auf der Suche nach Futterplätzen durchqueren.

Für die Pfarrerinnen und Pfarrer sind die Wege in Dörfer und zu Predigtstätten weit. Selten stellt die Gemeinde ihnen ein Fahrrad, das sich auf den Schotterstraßen auch eher mühsam bewegen lässt. Noch seltener ein Motorrad. Dazu kommt das Wetter, das in den trockenen Monaten schattenlose Hitze und in Regenzeiten stundenlangen Sturzregen mit sich bringt.

In den Gemeinden Kimande, Kanani und Kinyika in der Region Pawaga werden die Arbeitswege künftig etwas komfortabler: Die Evangelische Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf hat ihnen je ein Motorrad (samt Helm) finanziert, denn die Gemeinden wachsen schnell: In der Region sind 14 neue Kirchbauten geplant. Im Gegenzug gab man uns das Versprechen, im heiklen tansanischen Straßenverkehr vorsichtig zu fahren. Wir hoffen darauf!

Immer wieder kommt es auf tansanischen Straßen zu schweren Unfällen – am häufigsten wegen riskanter Fahrweise, überhöhter Geschwindigkeit oder maroder Fahrzeuge. Erst kürzlich listete Tansanias Innenminister George Simbachawene öffentlich 16 Buslinien auf, deren Fahrer massiv gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hatten. Auch Motorräder sind als beliebtes Fortbewegungsmittel häufig in Unfälle verwickelt. Doch es gibt Hoffnung: Wie Innenminister Simbachawene im vergangenen Jahr berichtete, ging die Zahl der Verkehrsunfälle von Juli 2019 bis März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent zurück, die der bei einem Unfall getöteten Menschen um elf Prozent. Dass sich die Lage offenbar bessere, sei der Strategie der Verkehrspolizei zu verdanken – unter anderem mehr Verkehrs- und Fahrzeugkontrollen.

Das Fahrtraining für die neuen Motorradpfarrer aus Pawaga war dennoch obligatorisch und ist (siehe Foto) schon absolviert.

T: Juliane Kaelberlah


Seit mehr als 40 Jahren sind die Kirchenkreise Charlottenburg-Wilmersdorf und Iringa-West in Partnerschaft. In unserer Kolumne schauen wir regelmäßig nach Tansania und berichten über Aktuelles aus Iringa, dem Straßen- und Waisenkinderhaus „Huruma Centre“ und der AG Partnerschaft.

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