Veröffentlicht am Do., 18. Feb. 2021 00:00 Uhr

Der Alltag mit Kindern ist wunderbar und herausfordernd – und manchmal beides gleichzeitig. Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern in Fragen rund um Familienleben und Erziehung. Dieser Themenfundus und persönliche Beobachtungen sind die Inspiration für ihren wöchentlichen Blog „Familiensinn“.

Blog 37 Über Geld spricht man erst, wenn es knallt

Ist das wirklich wahr? Vielleicht beschreibt diese Überschrift so manche Realität. Besser wäre es aber, man spräche über Geld, bevor es knallt. Hören Sie mal in diesen Podcast rein!

Häufig geht in einer Beziehung alles irgendwie gut, bis es zu einer Trennung kommt. Ich habe in manchen Mediationen bei meinen Gesprächspartner*innen böses Erwachen erlebt, wenn plötzlich ins Bewusstsein rückte, dass es im Falle einer Scheidung einen Zugewinnausgleich und einen Versorgungsausgleich gibt, dass Erbschaften Privatsache sind, und dass der Kindesunterhalt wirklich für das Kind ist.

Plötzlich wurden über die finanzielle Ebene der Verbindung Themen ausgehandelt, die mit Geld herzlich wenig, mit Werten aber sehr viel zu tun haben. Wenn Geld zu einer Machtposition führt, entsteht ein weiterer Konflikt.

Gleichzeitig werden die unterschiedlichen Sozialisationen wirksam. Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die in der Beziehung einfach akzeptiert, toleriert, geduldet oder ertragen wurden, erstehen wie Zombies auf und lassen sich nicht mehr so leicht entfernen. Bei einer gerichtlichen Scheidung gibt es die Möglichkeit, alle Entscheidungen von Rechtsanwält*innen verhandeln oder schlimmstenfalls erstreiten und von einem Richter entscheiden zu lassen. In einer Mediation könnten viel Geld und Nerven gespart werden, wenn die Dinge, die verhandelbar sind, miteinander im Konsensverfahren innerhalb des vorgegebenen juristischen Rahmens erarbeitet werden.

Bei Paaren, die nicht verheiratet sind, aber gelebt haben, als seien sie verheiratet, könnte es ein bitteres Erwachen geben, wenn es um die Zukunftssicherung, insbesondere der Frauen im Alter, geht.

Die Beschaffung des Geldes für den Lebensunterhalt einer Familie durch angestellte Berufstätigkeit, Selbstständigkeit, Geschäfte, Aktienspekulationen oder verschiedene Anlageformen werden bedauerlicherweise immer noch primär von der männlichen Seite der Familie getragen. Wie in dem oben verlinkten Postcast sehr schön nachzuhören ist, haben Frauen häufig eine fehlende Affinität zum Geld und sind gar nicht böse, wenn sie sich nicht darum kümmern müssen. Die Verantwortung für das eigene materielle Leben wird delegiert, und der Mann glaubt, das Geld, das er eingebracht hat, gehöre ihm. Eine ganz nachvollziehbare Gefühlssache: „Das habe ich doch verdient!“ Diese Einschätzung stimmt aber nicht.

Ein sehr hübscher Fall aus einer Mediation war, als seinerzeit die Telekom-Aktien so lukrativ waren, dass sich ein getrennter lebender Ehemann, der wenig zum Familienunterhalt beigetragen hatte, von seiner Frau ein paar Tausender lieh, um diese Aktien zu kaufen. Selbstverständlich ging sie davon aus, dass der Erlös geteilt wird. Als er die Aktien schließlich – viel zu spät und dennoch mit einigem Gewinn – verkaufte, gab er ihr das geliehene Geld zinslos zurück und meinte, der Gewinn gehöre ganz allein ihm. – Wer hat recht?

Deshalb spreche ich eine generelle Empfehlung aus: Sorgen Sie in guten Zeiten immer dafür, dass sie auch über Geld reden, und die Sicherheit und mögliche Unabhängigkeit von beiden Partnern gewährleistet ist. Ob am Ende über Ehevertrag, Testament, notarielle Vereinbarungen, Versicherungen, Grundbucheinträge oder einfache Mediationverträge, ist nebensächlich – das sollte der Situation entsprechen. Aber tun Sie sich den Gefallen und klären Sie diese Dinge im Vorfeld. Vielleicht scheitert manche Partnerschaft schon zu Beginn, wenn Sie das Thema anpacken. Es könnte aber auch sein, dass Sie von Anfang an eine gute Basis dafür haben, sich im Laufe des gemeinsamen Lebens richtig kennenzulernen und nicht aus Furcht vor Armut oder Übervorteilung Ihre Gefühle über Bord kippen. Denn das passiert, wenn das Vertrauen nicht ausreichend vorhanden ist. Natürlich sollten wechselseitige Transparenz über materielle Sicherheiten vorhanden, größere Anschaffungen abgesprochen und Entscheidungen gemeinsam getroffen sein, wenn es sich um familiäre Dinge handelt.

„Wenn ich heirate, mache ich doch keinen Ehevertrag, als wäre die Trennung schon vorprogrammiert“, habe ich schon oft gehört. Ist das wirklich wahr? Man könnte es genauso gut umgekehrt sehen.

Das Gemeine ist, dass Kinder ihre Eltern nicht vor Gericht zerren können, solange sie nicht volljährig sind, um ihr Recht auf den möglichen Wohlstand einzuklagen. Schon gar nicht können sie ein Recht auf entspannte Eltern einklagen, die wegen Streit um Geld zu wenig Aufmerksamkeit für sie haben, und vielleicht ihre Fördermöglichkeiten beeinträchtigen.

Deshalb rate ich, frühzeitig alles zu klären und abzusprechen, damit Ihre Kinder in Sicherheit aufwachsen können.


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