Veröffentlicht am Di., 6. Apr. 2021 10:21 Uhr

Über die erste Kältehilfe-Saison unter Corona-Bedigungen schreibt Hanna Meyer, Koordinatorin der Kältehilfe in der Evangelischen Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Kirchenkreis finden sich mit der Suppenküche in der Kirchengemeinde Am Lietzensee und den Nachtcafés in der Kirchengemeinde Neu-Westend und der Luisenkirchengemeinde drei Einrichtungen, die obdachlose Menschen in der kalten Jahreszeit unterstützen.


Nach gründlichen Vorbereitungen konnten wir im November 2020 das Nachtcafé in der Kirchengemeinde Neu-Westend öffnen - mit weniger Schlafplätzen als sonst, Maskenpflicht, Schnelltests und einem hochmotivierten Team. In den ersten Nächten kamen wenige Gäste. Einige kehrten sofort um, als sie hörten, dass sie einen Schnelltest machen müssten. Bald aber lief es besser, wir hatten mehr Besucher und waren besser eingespielt. Die Tests waren nicht beliebt, dafür aber die Menschen, die sie durchführten.

Anfang Februar wurde es eisig, das Nachtcafé war gut besucht. Eine Woche später, eisig war es immer noch, saßen wir zu unserer großen Verwunderung plötzlich allein da. Waren etwa alle Gäste in einer der wegen der Kälte eingerichteten neuen Unterkünfte untergekommen? Wir hofften es! Trotzdem: Sollte der ganze Aufwand umsonst gewesen sein?

Eine Ehrenamtliche war am Samstag über den Markt gegangen, um Wurst- und Käsespenden abzuholen, ein anderer war zu zwei Bäckereien gefahren, um Brot- und Kuchenspenden abzuholen, eine hatte Suppe vorbereitet, zwei Ehrenamtliche hatten sich den medizinischen Dienst aufgeteilt, um das Zeitfenster für die Tests zu erweitern, sechs Ehrenamtliche waren in drei Diensten eingeteilt und einer würde die übrig gebliebenen Lebensmittel am nächsten Tag zur Suppenküche fahren. An einer Nacht im Nachtcafé waren 12 Menschen beteiligt!

Wir hatten eine solche Situation noch nicht erlebt und überlegten, was zu tun ist. Dann, es war kurz vor 21 Uhr, kam ein Gast. Wir hofften, dass vielleicht noch jemand käme, damit sich der Aufwand für diese Nacht lohnte. Ein Ehrenamtlicher sprach es schließlich aus: „Wir haben einen Gast, das lohnt sich doch!“ Natürlich hatte er Recht!

Ich möchte allen herzlich Danke sagen, die diesen besonderen Nachtcaféwinter gestaltet und begleitet haben: den Ehrenamtlichen vor Ort und denen, die selbstverantwortlich entschieden haben, zu pausieren oder andere Aufgaben zu übernehmen. Beide Entscheidungen - dafür und dagegen - waren in ihrer Klarheit eine große Hilfe. Herzlichen Dank der Gemeinde Neu-Westend und dem Gemeindekirchenrat, nicht nur für die Bereitstellung der Räume in diesem Winter, sondern auch für die Auseinandersetzung und Anleitung im Vorfeld.

Herzlichen Dank auch allen Spenderinnen und Spendern. Es tut gut zu wissen, dass unsere Arbeit unterstützt wird.


Kategorien KK-News