Veröffentlicht von Juliane Kaelberlah am Di., 29. Jun. 2021 11:07 Uhr

Ein neues Konzept für die Kirchenmusik der Zukunft – das ist das Ziel einer Arbeitsgruppe im Kirchenkreis. Auch Kreiskantor Matthias Schmelmer arbeitet daran mit. Im Interview spricht über Chöre am Bildschirm, vernetztes Arbeiten und weshalb er der Zukunft der Kirchenmusik trotz aller Schwierigkeiten optimistisch entgegenblickt.

Ein neues Konzept für die Kirchenmusik – weshalb arbeitet ihr daran?

Matthias Schmelmer: Es gibt im Kirchenkreis seit 2016 eine Rahmenvereinbarung zur Kirchenmusik, die festlegt, wie viele Stellen wir in den Gemeinden haben und wie wir sie finanzieren. Diese Vereinbarung ist nun ausgelaufen.

Gleichzeitig stehen wir vor einem Jahrzehnt, in dem wir wahrscheinlich mit weniger Einnahmen auskommen müssen, auch wenn Prognosen schwierig sind. Es ist also ein guter Moment, um zu schauen: Welche kirchenmusikalischen Stellen und Angebote gibt es überhaupt in den Gemeinden? Daraus leiten wir ab, welche Schwerpunkte es künftig geben könnte.

Was heißt das genau?

Es wird Gemeinden mit großen Kantoreien oder einem regelmäßigen kirchenmusikalischen Konzertleben geben. Andere Gemeinden werden auf einen großen Chor verzichten, aber ihren Schwerpunkt in der musikalischen Arbeit mit Kindern setzen. Und wieder anderen genügt es neben einer Singgruppe vielleicht, wenn ein Organist den Sonntagsgottesdienst gestaltet. Unser Ziel ist, auch in Zukunft ausstrahlungsfähige Kirchenmusik zu machen.

Jede Gemeinde einen Chor und einen Kantor – diese Situation wird es in zehn Jahren definitiv nicht mehr geben?

Nein, das gibt es schon jetzt nicht mehr. Natürlich braucht jede Gemeinde mindestens eine Basisversorgung, also Musik im Gottesdienst. Darüber hinaus kann und muss aber nicht jeder alles anbieten. Ich wünsche mir, dass im Konzept klar wird, wie wir über Gemeindegrenzen hinweg in der Kirchenmusik enger zusammenarbeiten. Mir scheint es sinnvoller, wenn jemand für zwei Gemeinden arbeitet und dafür eine auskömmliche Vollzeitstelle hat, statt überall kleine Teilzeitstellen zu besetzen. Was wir nicht möchten, ist, dass im Kirchenkreis eine Art Flickenteppich entsteht, der nicht strukturiert ist. Jetzt kann man noch Stellschrauben drehen, das nutzen wir.

Welche Herausforderung stellt diese Zukunftsperspektive an die Kirchenmusiker?

Wir verstehen uns alle gut, beackern unsere Arbeitsbereiche aber noch relativ allein. Die Fragen, die uns beschäftigen, sind aber ähnlich: Wie transformieren wir Chöre, die immer älter werden? Wo finden wir guten Nachwuchs? Wie organisiert man sich künftig, wenn man für mehrere Gemeinden zuständig ist – denn dann sind viel mehr Absprachen notwendig. Also bietet es sich an, enger zusammenzuarbeiten, auch in Projekten. Der Kirchenmusiker, der nur noch für eine Gemeinde zuständig ist, wird der Ausnahmefall sein.

Wird die Corona-Zeit die Kirchenmusik verändern?

Wir kommunizieren mit den Chören und Gruppen unterschiedlich intensiv – das reicht von der Mail bis zu regelmäßigen Proben per Videokonferenz, die gut funktionieren. Vor allem die Kolleginnen und Kollegen, die Kinderchöre haben, sind aber besorgt, dass sie nach Corona wieder von vorn anfangen müssen. Ich sehe das auch so, bin aber optimistisch, dass wir das schaffen. Es ist nur ärgerlich, dass man diese gemeinsame Zeit verliert. Was wir nicht voraussehen können, ist, wie sehr Corona die Kirchensteuerverluste beschleunigen wird – und wie wir darauf reagieren müssen.

Wann werdet ihr die Ergebnisse eurer Arbeit präsentieren?

Voraussichtlich auf der Frühjahrssynode 2022. Wir möchten so viele Menschen wie möglich in diesem Prozess mitnehmen. Deshalb sind in unserer Arbeitsgruppe nicht nur Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, sondern auch der Vorsitzende eines Gemeindekirchenrates und Leute aus dem Personalausschuss. Und wir planen, das Konzept vorher auch in den Gemeindekirchenräten vorzustellen.

Interview: Juliane Kaelberlah

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