Veröffentlicht am Sa., 8. Mai. 2021 00:00 Uhr

76 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges gehört das Thema Krieg leider nicht der Vergangenheit an. Entgegen den Erwartungen damals gelang es nicht, „die Menschheit von der Geißel des Krieges“ – erklärtes Ziel der Gründung der UNO 1945 - zu befreien. Als Konsequenz aus dem Zweiten Weltkrieg wurde im Grundgesetz nicht nur die Vorbereitung eines Angriffskriegs verboten (Art. 26 Abs. 1), sondern auch festgeschrieben, dass Kriegswaffen nur mit Genehmigung der Bundesregierung exportiert werden dürfen (Art. 26 Abs. 2).

Warum ist Deutschland fünftgrößter Rüstungsexporteur weltweit?

Doch welche Konsequenzen ergeben sich daraus und warum gehört Deutschland dennoch zu den fünf größten Rüstungsexporteuren weltweit? Stellen diese Rüstungsexporte eine notwendige Maßnahme zur Herstellung der Selbstverteidigungsfähigkeit der Importländer dar, wie von den Befürwortern behauptet, oder sind Ausdruck von tödlichen Profitinteressen, wie die Gegner anführen? Und: Wer ist eigentlich verantwortlich für zivile Opfer deutscher Waffen: Die Exporteure oder die Importländer?

Mit diesen Fragen haben sich Schüler einer 10. Klasse im Rahmen eines Kooperationsprojektes des „Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster“ und dem Café Nightflight (Offene Kinder- und Jugendeinrichtung des Evangelischen Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf) sehr lebhaft und kontrovers auseinandergesetzt. 

Hitzige Diskussionen über Recht und Gerechtigkeit

Ausgehend von dem Widerstand junger Menschen im Dritten Reich wurde untersucht, was es heute bedeuten könnte, sich gegen Krieg zu engagieren. Mit Blick auf die aktuelle Rüstungsexportpolitik wurde sich mit den Positionen von Befürwortern und Gegnern beschäftigt. Referenten beider Seiten (z.B. Dr. Fritz Felgentreu/SPD, ehemaliges Mitglied im Mitglied im Verteidigungsausschuss, Susanne Weipert/Pax Christi, Koordinatorin der „Aktion Aufschrei- Stoppt den Waffenhandel!“, sowie Vertreter der Naturfreundejugend Berlin und der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch zur Auseinandersetzung mit dem Folgen bewaffneter Konflikte/Kriege) wurden eingeladen und von den Jugendlichen in hitzige Diskussionen verwickelt.

Frieden sichern mit Waffen - ist das ein Mittel?

Eine wesentliche Erfahrung der Jugendlichen dabei war es, dass die Informationen, die beide Seite für ihre Argumentation nutzen, völlig unterschiedliche sind und hier bereits die Schwierigkeiten beginnen mit der Frage, was „wahr“ und „bewiesen“ ist. Zudem wurde deutlich, dass Vertreter beider Seiten beanspruchen, sich im engeren oder weiteren Sinne für Frieden einzusetzen. Unterschiedliche Vorstellungen von Friedenssicherung und Friedenserhalt liegen den Positionen zugrunde.

Selbst in der Bibel lassen sich unterschiedliche Bezüge zur Frage der (bewaffneten) Schaffung von Frieden finden. Im „Ethikrat“ haben schließlich die Jugendlichen – im Rollenspiel als Vertreter verschiedener konträrer Positionen – die Frage der Notwendigkeit einer Verschärfung der Rüstungsexportkontrolle diskutiert. Die Fähigkeiten, Ambivalenzen auszuhalten und Differenzierungen einzufordern, wurden von den Schülern hierbei nachhaltig erprobt.

Was bleibt ist die Einsicht: Frieden zu fordern, ist einfacher gesagt als getan, vor allem in einer Welt, in der die unterschiedlichsten Interessen oft auf tödliche Weise aufeinanderprallen. Das haben die Schüler*innen gemerkt. 

Dennoch muss die Frage nach einem gerechten Frieden weiter gestellt werden, gerade um derer willen, die unter den jetzigen „Friedensregelungen“ am meisten leiden.  

Marion Wettach/Café Nightflight
Susanne Dannenmann/Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster


Das Projekt wurde im Rahmen des Sonderprogramms "Jugendarbeit und Schule" des Berliner Senats gefördert.

Kategorien Jugend