Veröffentlicht am Mi., 4. Aug. 2021 00:00 Uhr

All die Jahre hatte Lemomo nichts bemerkt. Als Achtjähriger war der Junge aus einer armen Hirtenfamilie ins Huruma Centre nach Iringa gebracht worden, nachdem sein Vater verstorben war. Lemomo entwickelte sich gut, ging zur Schule. Er hatte gerade die siebte Klasse absolviert, als die Probleme begannen.

„Eines Tages kam er zu uns, hatte Schwellungen am Körper und atmete schwer“, erzählt Joyce Ngandango, die das Huruma Centre leitet. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte Probleme an den Nieren – und ein Herzleiden. Einmal im Monat fährt der 15-Jährige seitdem ins Krankenhaus, um sich behandeln zu lassen und Medikamente zu erhalten. Das Huruma Centre muss jede Behandlung einzeln zahlen, denn wie alle rund 60 Kinder im Haus ist auch Lemomo nicht krankenversichert.

Viele Tansanier sind nicht krankenversichert

Tansanias Gesundheitssystem bietet zwei Krankenversicherungen an. Der National Health Insurance Fund (NHIF) wurde 1999 für Staatsbedienstete aufgelegt, steht aber auch Angestellten aus dem privaten Sektor und Selbstständigen offen. Etwa 7 Prozent der Tansanier sind darüber versichert und können sich im Krankheitsfall ambulant oder stationär behandeln lassen. Auch spezielle Medikamente, Brillen oder orthopädische Hilfen sind mit dieser Versicherung abgedeckt. In den Community Health Funds (CHF), der eine medizinische Grundversorgung garantiert, zahlen etwa 25 Prozent der Tansanier ein. Der Großteil der Menschen allerdings ist ohne jegliche Krankenversicherung.  

Ein Arzt für 20.000 Menschen

Auch das Gesundheitswesen krankt: Es fehlen qualifizierte Ärzte und Pflegekräfte, vor allem in ländlichen Regionen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Quote von mindestens 10 Ärzten pro 10.000 Einwohner. Nach der letzten WHO-Erhebung im Jahr 2014 war in Tansania statistisch ein Arzt für 20.000 Menschen zuständig. Gleichzeitig fanden in den vergangenen Jahren Tausende Absolventen der Medizin-Studiengänge keine festen Jobs. Der Großteil der Medikamente in Tansania muss importiert werden, da nur wenige Firmen im Land selbst Arzneimittel herstellen. Auf dem Land versorgen vor allem kleine, einfach ausgestattete Krankenstationen die Patienten – wenn diese es sich leisten können.  

Alle Kinder benötigten dringend eine Krankenversicherung

„Wäre Lemomo nicht ins Huruma Centre gekommen, wäre er wohl an seiner Erkrankung gestorben“, sagt Huruma-Hausleiterin Joyce. Mittlerweile besucht er die Secondary School und spricht gut auf die Therapie an. Seine Behandlung im Krankenhaus kostet deshalb umgerechnet nur noch rund 30 statt der anfangs 100 Euro pro Monat. Um die Kosten weiter zu senken, soll Lemomo nun krankenversichert werden.

Ein Privileg, das sich das Huruma Centre gern für alle Mädchen und Jungen leisten würde, denn auch andere Kinder brauchen regelmäßig medizinische Hilfe. Rund 20 Euro kostet die Basisversicherung pro Kind im Jahr – für alle also rund 1200 Euro. Als regelmäßigen finanziellen Posten kann das Centre diese Summe allerdings nicht aufbringen, ohne an anderen wichtigen Ausgaben für den Alltag der Kinder zu sparen.

Spendenkonto für das Huruma Centre

Kirchliches Verwaltungsamt Berlin Mitte-West
IBAN: DE42 1005 0000 0190 6655 05
BIC: BELADEBEXXX
Verwendungszweck: Huruma

T: Juliane Kaelberlah


Seit mehr als 40 Jahren sind die Kirchenkreise Charlottenburg-Wilmersdorf und Iringa-West in Partnerschaft. In unserer Kolumne schauen wir regelmäßig nach Tansania und berichten über Aktuelles aus Iringa, dem Straßen- und Waisenkinderhaus „Huruma Centre“ und der AG Partnerschaft.

Kategorien AG Partnerschaft Tansania