Sonntag, 15. September 2019, 11:30 Uhr

Thema: „Gemeingutökonomie als Transformationsstrategie“
Gast: Dr. Wolfgang Fabricius

Ursprünglich war der Globus Gemeingut aller auf ihm lebender Menschen, Tiere
und Pflanzen. Wie kam es, dass immer größere Teile der Ressourcen und
der sich entfaltenden Infrastruktur in die Hände einer immer kleineren aber
umso mächtiger werdenden „Elite“ gelandet sind? Es ist der Kapitalertrag, die
Basis des Kapitalismus, der zusätzlich zum Arbeitsertrag hinzukam bzw. der
auch ausschließliche Einkommensquelle wurde. Um den Kapitalismus abzuschaffen,
wird es erforderlich sein, diesen Kapitalertrag wieder aus der Welt zu
schaffen, um den Globus wieder zum Gemeingut aller zu machen.
Dass dies möglich ist, hat Peter Drucker für die USA aufgezeigt, indem er berechnete,
dass die Fonds der kapitalgedeckten Alterssicherung in der Lage
waren, innerhalb von 50 Jahren zwei Drittel der Infrastruktur und der Ressourcen
der USA zu erwerben. Allerdings sind Fonds von Managern des Kapitals
bestimmt, sodass der Anleger keinen Einfluss auf Investition und Kapitalertrag
hat.

Zu diesem Thema sagte John Bellers bereits 1696: „Da die Arbeitskraft der
Armen die Goldgrube für die Reichen darstellt, […] warum sollten also die Armen
nicht imstande sein, sich selber zu erhalten, indem sie diese Reichtümer
zum eigenen Vorteil ausnützten, und dabei noch etwas übrig behielten? Man
brauchte sie nur in Form eines »Vereins« oder einer Kooperation zu organisieren,
in der sie ihre Tätigkeiten gemeinschaftlich ausüben könnten.“

Es vollzieht sich gegenwärtig ein umfassender Übergang vom Industrie- ins
Digitalzeitalter. Hierdurch werden Wirtschaft, Arbeit und Freizeit grundlegend
umgestaltet. Neue wissenschaftliche Prozesse und gesellschaftliche
Veränderungen finden statt. Sie sollten unseren Vorstellungen entsprechen.
Geeignete solidarökonomische Projekte aus Gegenwart und Vergangenheit
werden vorgestellt und sollen diskutiert werden.

Über den Referenten

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Universitätsinstituten, der Industrie,
einer Bundesoberbehörde und einer Senatskommission der Deutschen
Forschungsgemeinschaft hat Dr. Wolfgang Fabricius viele Basisprojekte der
Berliner Alternativszene mitgegründet bzw. mitgestaltet. Er ist zudem Gründungsmitglied
von Attac Deutschland und Berlin sowie der Attac-AG, des Forums
und der Akademie Solidarische Ökonomie und ist Mitglied des Wissenschaftlichen
Beirats von Attac. Er beschäftigt sich seit 1982 mit Solidarischer
Ökonomie und ist Autor und Koautor mehrerer Bücher zu diesem Thema

In ihrem Focus-Gottesdiensten widmet sich die Luisenkirche einem bestimmten Thema und lädt Gäste ein, darüber zu berichten und zu predigen.

Mitwirkende
Pfarrerin Anne Hensel
Ort
Luisenkirche, Gierkeplatz 4, 10585 Berlin, Deutschland
Preis
kostenfrei