Staunen, ahnen und verstehen, dass die Welt viel größer ist, als wir sie jetzt sehen.

Liebe Eltern,

dieses Motto könnte über dem Religionsunterricht stehen, der Ihren Kindern als Bildungsangebot der evangelischen Kirche in der Schule zur Verfügung steht. Wofür Sie sich bei diesem freiwilligen Unterricht konkret entscheiden, werden Ihnen die Religionslehrerinnen und -lehrer vor Ort auf einem der ersten Elternabende vorstellen.

Kinder fragen unerbittlich

Wer Kinder erzieht, wird der Frage nach den eigenen Lebensgrundlagen nicht ausweichen können. Sie suchen Standpunkte, mit denen sie sich identifizieren oder von denen sie sich abgrenzen können: Woher kommt die Welt? Warum müssen Menschen leiden? Was kommt nach dem Tod?

Gerade die existenziellen, die "großen" Fragen, suchen nach Antwort. Weder das Elternhaus noch die Schule dürfen den Kindern ein redliches Gespräch über Leben und Tod schuldig bleiben. Die Schule braucht einen Ort, wo diese Fragen gestellt werden können, wo darüber nachgedacht und gesprochen wird und die Entwicklung der Seele genau so ernst genommen wird, wie die Entwicklung des Körpers und des Geistes.

Wovon lassen wir uns tragen?

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen das Reden von Gott benutzt wurde, um bei Kindern Angst und Druck zu erzeugen. Neue Erkenntnisse in der Pädagogik und Psychologie haben ihren Niederschlag in den schulischen Lehrplänen und der Ausbildung der Religionslehrkräfte gefunden: Wer sind und was können wir? Worauf vertrauen wir? Was hoffen wir? 

Wir alle kennen den Druck, jederzeit Meister unser selbst sein zu müssen. Im Religionsunterricht werden Lebensentwürfe zur Sprache gebracht, die als letztes Ideal nicht die Unabhängigkeit haben, sondern das Vertrauen darauf, getragen zu sein. Hier werden die Fragen der Kinder nach sich, nach dem Woher und Wohin ihres Lebens, nach ethischen Begründungen menschlichen Handelns, nach Leid und Bösem, nach religiöser Sprache, Bildern und Symbolen, nach Grenzen des Vorstellbaren und in all diesen Aspekten nach Gott thematisiert. Der Religionsunterricht fördert und praktiziert eine Grundhaltung des Staunens und Fragens, des "Philosophierens mit Kindern und Jugendlichen".

Gemeinsam unterwegs

Die wichtigste Lernwelt unserer Kinder sind wir, die Erwachsenen. Wir Religionslehrerinnen und -lehrer verstehen uns ebenfalls als Fragende und Lernende und gehen gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern auf die Suche nach Antworten. Unsere Grundlage ist dabei die jüdisch-christliche Glaubenstradition. Die Antworten anderer Religionen bedenken wir im Geist der Achtung und des Respekts altersentsprechend mit. So können eigene Überzeugungen der Schülerinnen und Schüler wachsen und kann Lebensorientierung entstehen.

Religionsunterricht setzt auf vertiefendes Wahrnehmen und Verstehen, auf die Fähigkeit, Inhalte in Zusammenhänge einordnen zu können, auf ein selbstständiges religiöses und ethisches Urteilsvermögen, auf Toleranz und Verständnisbereitschaft sowie auf verantwortungsvolles Verhalten und Handeln.

Lassen Sie Ihr Kind an diesem Prozess teilnehmen!

 Foto: EKBO, Referat Religionsunterricht